Do it yourself: ANNEHMEN DES SCHICKSALS

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

"Gelassenheitsgebet",
das dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird


Gehörst du zu den Menschen, denen diese Gelassenheit fehlt? Die sich daher in ständiger ALARM-Stimmung befinden, als müssten sie das Schicksal kontrollieren, als könne gleich wieder eine Katastrophe geschehen – und sie sind daran schuldig, weil sie nicht genug aufgepasst haben. Bist du dadurch in Dauerstress, vielleicht schon in eine Erschöpfung, in eine Depression oder chronische Krankheit geraten? So  dass dir die Kraft ausgegangen ist, auch kleinere Herausforderungen zu bewältigen?

Meine Erfahrung: wenn du dich zunächst gegenüber dem Schicksal deiner Familie abgrenzen, und dann dein eigenes Schicksal annimmst, es integrierst, dann kannst du wieder zu dieser Gelassenheit, ja zu dem verlorenen "Urvertrauen" zurück finden.
Im Folgenden gebe ich dir eine Beschreibung, wie du selber diesen Prozess gestalten kannst.


Anleitung zum Do it Yourself

Was du dazu brauchst:
Du benötigst dazu möglichst eine weitere Person und folgende Requisiten: drei Stühle, ein Kissen (z.B. rotes Meditationskissen) das dein "Selbst" repräsentiert, ein Schal (Grenze), ein schwerer Kieselstein (Symbol für das übernommene Schwere).

Verwendete Abkürzungen:
ES: Erwachsenes Selbst, dass sich ohne Schuldgefühle abgrenzen kann und sich seinem Schicksal anvertrauen kann – was immer es auch bringt.
K: Klient (du)
FSch: Familienschicksal, all das Schwere, das bei den Eltern und in deren Familien geschehen ist.
G: Instanz des Schicksals, die das Schicksal kontrolliert
ESch: das eigene Schicksal


TEIL 1
ABGRENZUNG GEGENÜBER DEM FAMILIENSCHICKSAL


Aufstellungsbild:

Du stellst dich und dein ES auf in Beziehung zum Familienschicksal (Fsch).
Wie geht es dir da? Kannst du dich noch selber spüren – oder bist du bereits mit deiner Aufmerksamkeit beim Familienschicksal? Kannst du dein ES spüren – oder ist es nicht spürbar?


Die Grenze legen zwischen sich und dem FSCH
"Du stammst zwar aus der Familie. Aber du hast deine eigene Identität. Du bestimmst was in deinen Identitäts-Raum gehört."
Was verändert sich dadurch? Gibt es für dich eine solche Grenze – oder vermischt du Eigenes mit Fremdem? Das kann überprüft werden.

Klient auf Platz des Familienschicksals?
Wenn du dich da besser fühlst als in deinem eigenen Raum:
"Vielleicht fühlst du dich als Teil dieses Kollektivs. Vielleicht denkst du, du hast keine eigene Identität, du hast die Identität deines Kollektivs, und bist dadurch mit dem FSCH verbunden. Wie fühlt sich das an? 
Es geht darum  deine eigene Identität  zu entwickeln."
Klärende Sätze: "Du bist das Schicksal meiner Familie. Und ich bin ich. Und ich bin vollständig auch ohne dich. Ich lebe hier und heute und du liegst mehr als 20 Jahre zurück!"

Klient auf Platz von G, der  Schicksalsinstanz?
"Hattest du das Gefühl – spontan oder als Auftrag – du bist für das Schicksal deiner Familie verantwortlich? Das fühlt sich einerseits gross an – andrerseits so sehr du dich auch anstrengst, du kannst daran nur scheitern und fühlst dich schlecht, als Versager. Das Schicksal bringt Schönes  - und Schmerzliches. Aber auch das Schmerzliche kann als eine Chance gesehen werden, daran zu wachsen. Wenn du deiner Ohnmacht gegenüber dem Schicksal zustimmst, dann kannst du dich vor ihm verneigen – und aus der Rolle des Schicksals wieder aussteigen."

FSCH auf Platz von ES
"Es kann sein, dass du dich so mit dem Schicksal deiner Familien identifizierst, dass du es in deinen Identitäts-Raum geholt hast. Das hindert dich daran dein eigenes Leben zu leben. Kennst du das? Dann wirkt das Fsch wie ein Trojaner, der dein "eigenes Programm" stört.  Du kannst dich entscheiden."
Der klärende Satz: Bei allem Respekt, du gehörst nicht in meinen Raum, und schon gar nicht auf den Platz von meinem Erwachsenen Selbst. Du hast deinen eigenen Raum.

FSCH wird zurück in seinen Raum geführt.
"Dein Territorium war besetzt von der fremden Energie deines Kollektivs. Spürst du jetzt einen Unterschied?"
Der klärende Satz: "Das ist mein Raum. Da gehört nur das hinein, was ich bin. Du bist du und ich bin ich. Du hast deinen eigenen Raum."


Übergabe Stein K an FSCH
Wenn du dich für die Schicksale deiner Familie verantwortlich gefühlt hast, kannst du das symbolisch mit einem schweren Stein zurück geben: " Es ist euer Schicksal. Ihr habt es auf Eure Art getragen oder auch nicht. Als Kind steht es mir nicht zu darüber zur urteilen. Ich lasse es jetzt ganz bei euch."
"Wie geht es dir, wenn du den Stein jetzt abgegeben hast?"

Übergabe Stein FSCH an K
Der AssistenIn reicht dir einen leichteren Stein mit den Worten: "Deine Familie hat dir einiges zugemutet. Das kann die Familie  nicht ungeschehen machen. Wenn du es als Herausforderung ansiehst, dann kannst du daran wachsen. Wenn du dir selber leid tust und in die Opferrolle gehst, dann kannst du daran auch  zerbrechen. Für was entscheidest du dich?"

Verbindung mit ES
"Jetzt schau mal mit deinen eigenen Augen auf dein selbstbestimmtes, freies, unangepasstes Selbst, dass sich abgrenzen kann ohne Schuldgefühle. Vielleicht war diese Seite von dir in deiner Familie nicht erwünscht – und du hast die Sicht der Eltern – ihre "Brille" - übernommen? Nimm symbolisch – durch eine Handbewegung - alle Brillen der Eltern und Großeltern, etc. ab. Gibt es noch etwas an ihm auszusetzen? - Und pass auf, dass du dabei nicht dich (noch unverbunden mit dem Selbst) mit dem Selbst verwechselst. Anstatt dich mit dem Schicksal der Familie zu identifizieren, kannst du mit dir selbst verschmelzen. Wie fühlt sich das an?"


Abgrenzungsritual
"Wenn du siehst, dass das FSCH gar nicht zu deiner Identität gehört, kannst du es an deiner Grenze stoppen. Die andere Person repräsentiert jetzt das Fsch und kommt auf dich zu und du darfst sie stoppen, bevor sie in deinen eigenen Raum hineinkommt. Wie fühlt sich das an?"
Das wäre der gesunde Schutzreflex, wenn du den zu Verfügung hast, dann weisst du besser, wo du zuständig bist – und wo nicht – was deine Interessen sind – und was nicht!"
"Und das ist wie bei den Raubtieren, sie schützen ihr Territorium mit einem Schrei. Welches Raubtier fällt dir ein? Ein Tiger? Jetzt kannst du das FSCH mit dem Tigerschrei an deiner Grenze stoppen. Der gesunde Kanal für deine Kraft wird frei.  Wenn du diesen Kanal blockierst, dann richtet sich deine ungenutzte Kraft gegen dich selber."
"Wie fühlt sich das an?"

Gegenabgrenzung 
"Du hast dich fast ausschließlich auf den Raum des FSCH bezogen und darfst jetzt erleben, dass das nicht dein Identität ist und dass du hier nicht zuständig bist. Die Person, die das FSch vertritt, stoppt  dich an der Grenze. Du gehst mit bester Absicht in den Raum des FSCH und ich stoppe dich an meiner Grenze als FSCH."


TEIL 2
INTEGRATION DES EIGENEN SCHICKSALS



ESch wird aufgestellt
"DU STELLST JETZT dein eigenes Schicksal auf, dir gegenüber. Wie geht es dir damit?"
"Das eigene Schicksal bringt  Schönes und Schmerzhaftes, du weißt nicht, was als Nächstes kommt. Auch das Scherzliche ist nicht schlecht, auch an ihm kannst du wachsen.


K auf Platz von ESch

"Stell dich mal auf den Platz deines Schicksals, traust du ihm nicht? Willst du dein Schicksal kontrollieren? Wenn ja,  dann hast du auch erfahren, dass das nicht gelingen kann und dass du dich dann vielleicht sogar schuldig fühlst. Du kannst nicht dein eigenes Schicksal kontrollieren. Auch gegenüber dem eigenen Schicksal sind wir ohnmächtig. Du könntest symbolisch deiner Ohnmacht zustimmen,  indem du dich drei Atemzüge lang tief vor deinem Schicksal verneigst."
Wie geht's dir jetzt mit deinem Schicksal?
(Meist besser)
"Du kannst auch noch auf eine andere Weise deiner eigenen Ohnmacht zustimmen. Indem du dich auf den Bauch legst und die Arme nach vorne streckst, mit den Handinnenflächen nach oben."

K legt sich auf den Bauch, Arme nach vorne
"Wie ist das für dich, wenn du dich so deinem eigenen Schicksal anvertraust, was immer es auch bringt? Vielleicht fühlt es sich für dich gefährlich an, so als würdest du ins Bodenlose stürzen. Kannst du spüren, dass du nicht ins Bodenlose fällst, weil dich etwas trägt? Was trägt dich?
(Wenn K nicht loslassen kann:  Spüre den Boden, ist er hart oder weich, warm oder kalt? Wie fühlt sich der Boden an? Glatt oder rauh? Wenn du loslässt, dann erst spürst du, dass dich etwas trägt.)
"Das was dich trägt ist die Erde. Die Erde hat dich hervorgebracht. Die Erde nährt dich. Sie gibt dir Wasser und Luft zum Atmen."

K bleibt bei dieser neuen Erfahrung und steht wieder auf.
"Spüre die Verbindung mit deinem Selbst, mit dem Teil von dir, der sich seinem Schicksal anvertrauen kann, was immer es dir auch bringt?"
K spürt (meist) eine bessere Verbindung.
"Wie geht's dir jetzt mit deinem Schicksal?"
K spürt (meist) mehr Vertrauen in das eigene Schicksal.
"Wenn du dich so deinem Schicksal anvertrauen kannst, was immer auch es dir bringt, dann musst du es nicht mehr kontrollieren. Dann dann kannst du dir die Kraft sparen, die du bisher vergeudet hast, um gegen das Schicksal anzukämpfen. Dann kannst du das Schicksal hinter dich stellen. Du kannst dich an dein Schicksal anlehnen, oder – wenn es durch einen Stuhl repräsentiert ist – auch darauf setzen. Dann wird der Raum vor dir frei."

K setzt sich auf den Stuhl,
ES  ganz nah neben K.
"Wie fühlt sich das an?"
K spürt jetzt Gelassenheit und Vertrauen, das ihm vorher so gefehlt hat.

"Wenn du dich so deinem Schicksal anvertraust, dann kannst du verstehen, was der chinesische Weise LAOTSE meinte mit seinen Worten "Handeln durch Nichthandeln" oder "Wo nichts zu tun ist, bleibt nichts ungetan:"


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