INSTITUT SYSTEMISCHE SELBST-INTEGRATION LANGLOTZ-KUTZELMANN

  •  Wenn liebevoller Abschied durch Schuldgefühle blockiert wird: Abtreibung


Liebe Freunde,
liebe Kolleg*innen,

wir leben in sehr bewegten Zeiten. Da sind wir dankbar für befreiende Botschaften. Daher habe ich mich heute für ein Thema entschieden, das für viele bisher belastend war.
Zunächst jedoch etwas Organisatorisches: ich muss den Intensivkurs noch einmal verschieben:

Intensivkurs, 2. Termin verschoben auf 5.-8.11.2026

Nun zu einem Thema, das viele betrifft und zugleich tabuisiert ist und extrem aufgeladen  durch Schuldgefühle.

Wenn liebevoller Abschied durch Schuldgefühle blockiert wird: Entscheidung gegen ein Kind

Ein Tabuthema, das vor allen junge Frauen in ihrem Wesenskern als Mutter betrifft. Wenn eine junge Mutter sich gegen ein Kind entscheidet, dann gerät sie in einen massiven Konflikt zwischen angeborener Mutterliebe zu ihrem Kind und ihrer aktuellen äusserer Realität. In der Regel sind es gravierende Gründe, die eine junge Frau zu diesem Schritt veranlassen können: der Partner der Vater des Kindes entzieht sich, oder wird von der eigenen Familie oder der Gesellschaft abgelehnt. Die eigene Lebensplanung, Ablösung von den Eltern, Unabhängigkeit durch eine Berufsausbildung wird gefährdet, unter Umständen für ein ganzes Leben.
Was dies Dilemma noch verschärft. die junge Frau ist dabei meist sehr alleine gelassen. Verlassen vom Partner, aber auch von der eigenen Familie. Für die ist es nicht selten immer noch eine Schande, die verschwiegen werden muss. Im Stich gelassen nicht selten auch durch eine Gesellschaft, die  – nicht nur in USA – bestimmt ist durch fundamentalistische Fanatiker und dazu neigt, die Mutter moralisch abzuwerten und ihr massive Schuldgefühle zu machen.

Abtreibung als Trauma
Dadurch kann Abtreibung für eine junge Mutter zu einem schweren Trauma werden, das ihr Selbstwertgefühl massiv beeinträchtigt, ihre Beziehungen zu einem späteren Partner und zu eigenen Kindern belastet. Und das auch diese eigenen Kinder belasten kann, da sie sich nicht selten mit einem abgetriebenen Geschwister identifizieren, und aus dieser unbewussten und illusionären „Loyalität“ nicht in ihr eigene unbeschwertes Leben kommen können.

Lösung durch Aufstellung
Ich hatte gerade mit der Aufstellungsarbeit begonnen. Da war es für mich sehr bewegend, dass ich durch diese Methode die verwirrende Beziehungsthematik bei Abtreibung verstehen und lösen konnte.
Eine Aufstellung ermöglicht der Mutter durch einen Dialog zu diesem Kind die Verwirrungen dieser belastete Beziehung zu erkennen.
Offensichtlich hatten die – von aussen verstärkten – Schuldgefühle die Mutter daran gehindert, ihr Kind liebevoll zu verabschieden und loszulassen.  Sodass sie ihr Kind bis heute festgehalten hatte – als Introjektion.
Auf der Suche nach einer Lösung folgte ich meiner Intuition und liess die Klientin zu dem Kind sagen: „Ich konnte mich damals über dich nicht freuen aber das hatte nichts mit dir zu tun! Ich habe mich damals in meiner Not gegen dich entschieden, und ich stehe dazu!“
Erstaunlicherweise war das für die Stellvertreterin des abgetriebenen Kindes entlastend, aber auch für die Klientin, wohl weil es einfach der Wahrheit entsprach!?
Mein nächster Impuls: um das Kind verabschieden zu können, muss die Mutter es erstmal begrüssen! Das schien logisch – obwohl ihr das bisher unmöglich oder verboten erschienen war?!
Ich schlug daher der Klientin vor, dem Kind zu sagen: „ich könnte dich damals nicht begrüssen und dir meine Liebe nicht zeigen.“
Nach diesen Sätzen war es der Klientin möglich, die Stellvertreterin des abgetriebenen Kindes liebevoll an ihr Herz zu nehmen, es war für sie zugleich sehr erleichternd – aber auch schmerzlich – ihre bisher unterdrückte Liebe zu diesem abgetriebenen Kind zu spüren.
Danach fühlten sich beide, sie und die Stellvertreterin des Kindes frei und unbeschwert.
Erlöst und mit sich selber versöhnt konnte sie das abgetrieben Kind entlassen, ins Licht.
Zuvor bat ich das „Kind“ noch, ihr zu sagen: „Ich hab dich lieb, und gib meinen Geschwistern einen Kuss von mir!“
Und der Klientin empfahl ich, wenn ihre Schuldgefühle vorbei sind, könnte sie ihren Kindern beiläufig zu erzählen: „Da gab es ein kleines Wesen, das wollte zu mir kommen, aber es kam nicht an.“
Wie eingangs erwähnt, spürt ein Kind, wenn die Mutter sich ihm nicht zuwenden kann, weil sie unbewusst noch gebunden ist an ein verlorenes Kind, von dem sie sich nicht verabschieden konnte. Dann neigt das betroffene Kind nicht selten dazu, sich mit diesem verstorbenen oder abgetriebenen Geschwister zu identifizieren.
In vielen Tausenden Aufstellungen habe ich immer wieder die lösende und befreiende Wirkung dieses Konzeptes erlebt. Das hat mich darin bestärkt, diese Art der Aufstellung weiter zu entwickeln, und zu verbreiten.
Das hat auch etwas zu tun mit Tod und Erlösung. Für mich passt es daher gut zu  Ostern.

TERMINE

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Wir grüssen euch herzlich!

Ero und Phil

(versendet: 02.04.2026)