• Erwachen aus der Trance
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Liebe Freunde,

Liebe Kolleginnen,

Zu Allerseelen teile ich mit euch Überlegungen zu Trance und Erwachen aus der Trance, ausgelöst durch die Rückmeldung von Elizabeth C.:

„Das Therapieseminar im Juni hat mir sehr gut getan.
Wichtig und eindrücklich waren für mich (in der Reihenfolge):
Der Augenkontakt zu dir (Sehen! Gesehen werden!).
Die Worte. Der Schrei! Die Trommel. (Zu hören! und Gehört zu werden!)
Die körperliche Erfahrung der Grenze. (Zu fühlen und Gefühlt zu werden!)“

Dies Feedback verstehe ich so: Elizabeth war aufgewacht aus einem Zustand des
nicht sehens und nicht gesehen werden,
nicht hören und nicht gehört werden,
nicht zu fühlen und nicht gefühlt werden.

Die Trance des Symbiosemusters

Diesen Zustand bezeichnet man als Trance durch fehlende Verbindung mit dem SELBST. Offenbar benötigt ein Kind, um sich nach seinem Selbst orientieren zu können, dass dieses bei der Geburt begrüßt wird, dass es als etwas Einzigartiges und Einmaliges gesehen und angesprochen wird. Andernfalls kann es keinen Selbst-Bewusstsein und kein Selbstwert- Gefühl entwickeln. Statt sich nach dem Selbst lernt es, sich nach den Bedürfnissen anderer – zunächst der traumatisierten Eltern – zu orientieren.
Das Trauma einer frühen emotionalen Verlassenheit führt so zu einem Symbiosemuster mit der Abspaltung von – bzw. fehlenden Verbindung mit – dem eigenen Selbst. Ohne Bezug zum eigenen Selbst neigen die Betroffenen dazu, wie in einer Trance, fremdbestimmt zu reagieren, statt selbstbestimmt zu agieren. Und sie sind sich dessen nicht bewusst.

Erwachen aus der Trance

Ein Erwachen aus dieser Trance ist auch spontan möglich, z.B. durch schmerzliche Erfahrungen von Trennung oder Scheitern.
Erst wenn Du aufwachst, wird Dir bewusst, wie betäubt, angepasst und bestimmt von den eigenen Konditionierungen – oder von den Erwartungen der anderen – Du bisher nicht gelebt, sondern funktioniert hast.
Erst wenn Du aufwachst, weißt Du, was es heißt, lebendig zu sein, Du selbst zu sein, ein eigenes Wesen zu haben, einen eigenen Willen haben zu dürfen, eigene Wege gehen zu können. Das eigentlich ist Leben!
Erst wenn du aufwachst, bemerkst Du, dass die allermeisten Menschen um Dich herum sich in der gleichen Trance befinden, wie du.
Manche agieren in dieser Trance sehr kraftvoll und übergriffig. Aber auch sie werden durch eine Idee, eine Ideologie gesteuert. Sie leben nicht ihr eigenes Leben, sie sind nicht mit ihrem Wesen, mit ihrem Selbst verbunden. Auch sie befinden sich in der Trance der Dissoziation.

Selbst-integrierende Trauma-Aufstellung

Offensichtlich ist die Methode der Selbst-integrierenden Trauma-Aufstellung geeignet, Menschen aus dieser Trance zu befreien. Zunächst erkennen sie, wie sie sich bisher – irrtümlich und unbewusst – mit verschiedenen erlernten Rollen in fremden Räumen identifiziert haben, oder nach ich-fremden und -inkompatiblen Introjekten, und daher nicht mit sich identisch sein konnten (Symbiosemuster). Dann lernen sie, in der Abgrenzung ihre eigene Kraft für sich – statt gegen sich – einzusetzen, und spüren, wie es ist, selbstbestimmt zu agieren (wie ein „Tiger“, der sein Territorium schützt) statt fremdbestimmt zu reagieren. In der Gegenabgrenzung („Training fit für einen starken Partner“) werden sie ihrerseits vom Therapeuten kraftvoll abgegrenzt. Das ist für sie zunächst überraschend oder auch erschreckend. Aber spätestens jetzt wachen sie aus ihrer Trance auf. Ihre Augen blitzen, und sie werden sich bewußt, dass auch ihr Gegenüber berechtigt ist, sein Territorium selbstbestimmt und kraftvoll zu schützen. Wenn sie sich ihres eigenen Selbst bewußt sind, dann können sie auch das Selbst des Gegenübers wahrnehmen und achten. Dies „Erwachen des Selbst“ und die erst dadurch mögliche Begegnung von Selbst zu Selbst – anstelle einer symbiotischen Verschmelzung – ist immer ein sehr bewegender Augenblick.

Mir scheint, es gibt nur wenig Menschen, die sich in diesem wachen. lebendigen Zustand befinden, die verbunden sind mit ihrem Wesen, mit ihrem Selbst.
Die meisten befinden sich in der Symbiose-Trance und sind nicht ganz bei sich selber, sind dissoziiert. Sie sind zwar nicht tot – aber sie sind auch nicht wirklich lebendig.

„Der Fluch der Karibik“

In diesem modernen Märchen gibt es für Menschen im Zwischenzustand zwischen Lebenden und Toten einen treffenden Begriff, die Untoten.
Die Story:
Piraten hatten einen Aztekenschatz geraubt, dadurch wirkte auf sie ein Fluch: sie hatten den Genuss an Essen und Trinken verloren, und im Mondschein nahmen sie die Gestalt von Skeletten an.
Dieser Fluch kann nur gelöst werden, indem das gesamte Aztekengold an den Fundort zurückgebracht wird.
Meine Umdeutung: sie hatten dem Aztekenschatz (Surrogate für das Selbst wie Geld, Besitz, Konsum) mehr Wert gegeben als ihrem Wesen, ihrem Selbst. Das – und nicht ein Fluch – entfremdete sie ihrem Selbst und brachte sie in die Trance der Untoten.
Erwachen aus der Trance und Verbindung mit dem Selbst ist wieder möglich, wenn die Abhängigkeit von den Surrogaten gelöst wird, und das bisher unbekannte Selbst angesprochen und geweckt wird. Das ist unser eigentlicher Schatz.

Ich teilte Elizabeth diese Überlegungen mit und sie antwortet:
Es war genau das, im Therapie-Setting NACHERLEBTE und NACHNÄHRENDE, das den Unterschied machte. Das, was ich von meiner Mutter und meinem Vater beim Erkennen meines Entstehens und spätestens bei und nach meiner Geburt gebraucht und vermutlich nicht so erfahren habe, um wirklich in mein wahres Leben zu kommen und nicht nur in das limitierte, untote Leben, aus dem ich jetzt erwacht bin.
                               Gott, mir, dir, allen und allem was ist, sei Dank!
Sehen! Gesehen werden!
Zu hören! und Gehört zu werden!
Zu fühlen und Gefühlt zu werden!
Das war meine persönliche Ur-Wunde! Bis dahin.
Heute WEISS ich, dass es reicht und genug ist, wenn ich auf und in mich schaue und dort alles finde, was ich zu einem guten und außergewöhnlichen Leben brauche. Voll und ganz bin ich in meinem Leben und in gut erlebter Verbindung mit allen und allem, wenn ICH SEHE, ICH HÖRE und ICH FÜHLE. Als Baby und total von anderen Menschen überlebensabhängige menschliche Frühgeburt ging das damals für mich offensichtlich nicht so einfach. Ich habe mich so in meine Umwelt eingefügt und mich ihr angepasst, dass ich sogar vergessen hatte, zu erkennen, dass ich rein biologisch irgendwann erwachsen war…

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Intensiv-Ausbildung für erfahrene Therapeuten

Diese Intensiv-Ausbildung ist gedacht für erfahrene Therapeuten anderer Schulrichtungen, welche die Lösungsprinzipien der SITA in ihre bisherige Vorgehensweise in Einzeltherapie integrieren möchten und nur wenig Bedarf an der Bearbeitung eigener Traumata haben.
Die verkürzte Intensiv-Ausbildung umfasst zwei Module a 4 Tagen (19 Zeitstunden). Zum Vergleich: die reguläre Ausbildung umfasst 2 mal 5 Module, die zur Anwendung auch in Gruppen befähigt und den Teilnehmer*innen sehr viel Gelegenheit für die Bearbeitung eigener Traumata im geschützten Raum einer fortlaufenden Gruppe bieten.

Termine: 1. 20.-23.02.2020 und 2. 02.-05.07.2020

Die beiden Module können nur gemeinsam als Block gebucht werden.
Das Honorar beträgt für die beiden Module € 1500, und ist bei der Anmeldung fällig.

INFO-ABEND UND KOLLEGIALER AUSTAUSCH ZUM THEMA “TRAUMA-AUFSTELLUNGEN” DONNERSTAGS 19-21h
  • für Aufsteller und Therapeuten, die meine Arbeit kennen lernen wollen.
  • für neue Klienten, die meine Arbeit kennen lernen wollen, und für
  • diejenigen, die zwar schon die Einzelarbeit bei mir kennen, aber noch nicht das Aufstellen mit Stellvertretern.

Teilnahmekosten: Hospitation15€, mit Aufstellung für Voll/Halb/Nicht-Verdiener € 150/120/90.

Termine: 7. November, 28. November*, 12. Dezember, 9. Januar*, 23.Januar* (*= eigene Aufstellung noch möglich)
Bitte vorher anmelden über E-mail, mit Angabe der Telefonnummer.

NEU: INFOABENDE PHIL KUTZELAMM in der Praxis Herzog Heinrichstr. 34 immer Mittwochs,19-21h
Info und Anmeldung über https://kutzelmann-aufstellungen.de/seminare-2


AUSBILDUNG 2020/2021

GRUNDSTUFE (Module 1-5)
1.: 24.-26.01.2020
2.: 20.-22.03.2020
3.: 22.-24.05.2020
4.: 17.-19.07.2020
5.: 11.-13.09.2020
Ersatz: 13.-15.11.2020

AUSBILDUNG 2019/2020

GRUNDSTUFE (Module 1-5)
1. 12.-14.4.2019
2. 21.-23.6.2019
3. 2.-4.8.2019
4. 5.11.-13.10.2019
5. 6.-8.12.2019
Teilnehmerliste voll!

AUFBAUSTUFE (Module 6-10)
6.: 14.-16.02.2020
7.: 17.-19.04.2020
8.: 12.-14.06.2020
9.: 7.-9.08.2020
10.: 9.-11.10.2020
(Ersatz 11.-13.12.2020)
FAST AUSGEBUCHT! „QUEREINSTEIGER“, die bereits woanders Aufsteller-Ausbildung gemacht haben, müssen sich für WB 2020/21 anmelden, ab 1. Modul oder ab 6. Modul!

Weitere Informationen auf meiner Website unter Therapie-Weiterbildung.


Supervision in 2019/2020

Der nächste Termin, 04./05. November 2019, ist AUSGEBUCHT!
Nächste Termine: 27./28. April 2020 und 02./03. November 2020

Die Supervision ist in erster Linie für alle, die bei mir systemische Selbst-Integration gelernt haben, um sich über den neuesten “Stand der Kunst” informieren: um die neue „Selbst-Integrierende Trauma-Aufstellung“ (SITA) kennen zu lernen. Sie berücksichtigt das von Thomas Hensel beschriebene neue Paradigma, welches die neuesten neurobiologischen Erkenntnisse zur „Gedächtnis-Rekonsolidierung“ umsetzt und daher eine rasche und anhaltende Wirkung entfaltet.
Ich biete euch an, eigene neue Erfahrungen und Beobachtungen mit der Methode der SITA auszutauschen, sich für die Arbeit mit “schwierigen” Klienten Unterstützung zu holen und eigene Anliegen zu bearbeiten.

Zeiten: Erster Tag: 10-18h, Zweiter Tag: 9-17h.
Honorar: € 200

Bitte mit Adresse und Telefonnummer anmelden!

 

Ich grüsse euch alle herzlich

Ero

(versendet: 30.10.2019)