INSTITUT SYSTEMISCHE SELBST-INTEGRATION LANGLOTZ-KUTZELMANN
- Frage: kann ein Kind, das Mutters Liebe nie erlebt hat, glücklich sein?
- Leben – statt Überleben
- Resilienz-Tag 10. Januar 2026
Liebe Freunde,
liebe Kolleg*innen,
ich wünsche uns allen ein gesundes, friedliches – und glückliches Jahr 2026!
Für mich ist dies Jahr verbunden mit einem Ortswechsel von der Stadt München in die Natur, nach Prien am Chiemsee!
Ich beginne heute mit einer Frage:
Kann ein Kind, das Mutters Liebe nie erlebt hat, glücklich sein?
Meine Schülerin Füsun fragt mich: „Kann ein Kind, das von der eigenen Mutter keine Liebe erfahren konnte, weil es von ihr abgegeben wurde, ein gesundes Wahres-Selbst entwickeln? Kann es dann überhaupt ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln?
Antwort: Das ist eine sehr wichtige Frage! Und die Antwort lautet eindeutig JA!
Die eigene wahre Natur ist unzerstörbar. Sie ist nur überlagert durch Überlebensprogramme, bisweilen über Generationen. Jeder hat die Chance, sein unzerstörbares Selbst zu entdecken, indem er sich von den erworbenen Konditionierungen befreit.
Dazu muss ich etwas ausholen.
Frühe Bindungen eines Kindes sind immer geprägt durch ein Machtgefälle. Daher übernimmt das Kind die Sichtweise – Perspektive – der Eltern, so als wäre es die Eigene. Wenn die Eltern selber „selbst-bestimmt“ leben, dann unterstützen sie später ihr Kind in der Pubertät bei dessen Abgrenzungs-Bewegungen, um diese anfängliche Symbiose zu lösen.
In unserer täglichen Arbeit mit frühen Bindungstraumata sehen wir jedoch: wenn die Eltern in Not sind – durch eigene Traumata oder durch gesellschaftliche Prägung zu Gehorsam und Leistung – dann belasten sie das Kind durch fehlende Zuwendung oder auch durch Abwertungen. Dann ist jedoch diese „natürliche Ablösung“ bisweilen erschwert. Ein Kind speichert im emotionalen Gedächtnis diese Selbstwert-Traumata, zusammen mit den Traumata der Eltern und den eigenen Anpassungsstrategien, unbewusst und (fast!!) unlöschbar! Einschließlich der belastete Lebensperspektive der Eltern! So als wäre das ihre Eigene!
Da ist es unvermeidbar, dass die Betroffenen selber das irrtümlich für einen Teil ihrer Identität halten. Dann fühlt sich eine eigene Lebensperspektive, ein eigener „intrinsischer“ Selbstwert verboten oder „falsch“ an.
Die Selbst-integrierende Trauma-Auflösung durch Symbolaufstellungen macht den Betroffenen diese verwirrende Dynamik bewusst. Unsere Lösungs-„Choreografie“ ermöglicht ihnen, sich aus diesem Labyrinth zu befreien.
Ich möchte das an einem konkreten Beispiel erläutern. Max wurde in Indonesien geboren, von der Mutter in ein Säuglingsheim gegeben und dann nach Österreich adoptiert. Er arbeitet heute erfolgreich als Körpertherapeut (!), aber er hat einige psychische und körperliche Probleme. Aus diesem Grund kam er zu einer Online-Trauma-aufstellung. (zugänglich bei YT: https://youtu.be/OZLuWG3Fq8k )
Aufstellung Max, eigene Geburt und Adoption als Trauma 16.6.21
Die Aufstellung zeigt, dass Max mit dem Trauma-Konglomerat „unerwünschte Geburt und Adoption“ von damals identifiziert ist, sodass er heute nicht mit seinem „wahren Selbst“ verbunden ist. Er erkennt, dass die Anteile des Trauma-Konglomerates (eigenes Ablehnungstrauma, eigenes „falsches“ Selbst, Mutters Trauma und Mutters „falsches“ Selbst) damals für das Überleben existentiell waren, aber heute nur noch Stress bereiten. Er entscheidet sich daher, sich von ihnen kraftvoll zu verabschieden – trotz eines Verbotsgefühls. Ein Akt der Selbstermächtigung! So öffnet er den bisher blockierten „Kanal“ für seine gesunde Wut. Diese Selbstermächtigung gibt ihm ein bisher unbekanntes Selbstwertgefühl. So kann er endlich sein Herz zu öffnen, für die Liebe einer Mutter, die aus unbekannten Gründen gezwungen war, dieses wunderbare Kind wegzugeben. In der Imagination kann Max Mutters „wahrem“ Selbst begegnen. „Dem wahren Selbst einer nicht traumatisierten Mutter, die sich natürlich über so einen wunderbaren Sohn freuen und ihm ihre bedingungslose Liebe schenken kann.“ Max kann sein Herz öffnen und diese Liebe spüren. Der Teil von ihm, der diese Liebe spürt, das ist sein eigenes „wahres“ Selbst, das jetzt endlich spürt: es ist wert, geliebt zu werden, einfach weil es da ist. „So wie eine Rose ihre Würde hat, weil sie eine Rose ist. Punkt.“ Sehr berührende und kraftvolle Aufstellung mit viel Heiterkeit und Leichtigkeit!
Rückmeldung Max 6.7.21: Es geht mir sehr gut. Ich habe in ganz vielen verschiedenen Situationen im Alltag festgestellt, dass ich mich „besser“ abgrenzen kann, dass ein NEIN ein NEIN ist, und ich danach auch kein „schlechtes“ Gewissen habe. Dass ich viel mehr auf meine eigenen Bedürfnisse Rücksicht nehme, aber VOR ALLEM, sie wahrnehmen und auch artikulieren kann! (sei es in der Partnerschaft, mit meinen Kindern in der Rolle als Vater oder mit Freunden oder Kollegen etc.) Die Aufstellung meines Geburtstraumas in Bezug auf meiner Mutter hat also in so vielen Ebenen eine Wirkung. Ich fühle mich ganz wunderbar, befreit und dankbar. Es ist ein ganz anderes Lebensgefühl, als wäre ich aus einer Trance oder Ohnmacht erwacht. Nebenbei: Ich schlafe wieder durch in der Nacht, meine Verdauung hat sich normalisiert und ich kann wieder lachen. 🙂
Kommentar: Max ahnte wohl schon vorher sein Potential, aber er konnte es bisher nicht leben. Er befand sich bisher – unbewusst – noch im Überlebensmodus!
Dieser ist bestimmt von einer unbewussten Tendenz, sich nach der fremden Perspektive der Eltern oder anderer „Autoritäten“ zu orientieren. Ohne eigene Perspektive fehlt die Wahrnehmung für Grenzen, fehlt die Struktur. Daher sind nur symbiotischen Beziehungen möglich, mit Neigung zu Überanpassung, Autoritäts-Gehorsam, Abhängigkeit und Selbst-Überforderung (Burnout). Da die gesunde Wut unterdrückt wird, verwandelt sie sich in destruktive Aggression und richtet sich gegen andere, oder gegen sich selbst – Resignation, Depressionen, psychosomatische und somatische Erkrankungen.
Die gute Nachricht: unsere „wahre Natur“ ist durch diese überlebenswichtigen Anpassungen nicht zerstört, sondern nur überlagert!
Leben – statt Überleben!
Befinden sich nicht die meisten von uns noch in einem „Überlebensmodus“ und übernehmen unbewusst die Perspektive der Mächtigen? Ist das vielleicht der Grund dafür, dass viele sich nicht wehren, sondern nur hilflos zusehen, wie die Mächtigen ihre Macht missbrauchen – auf Kosten der Gemeinschaft!? Wie ein Krenstgschwulst, dass alle Ressourcen benutzt, um selber zu wachsen- bis endlich der Geasmtorganismus stirbt?! Nicht nur in USA! Auch bei uns-
Wäre es da nicht dringend an der Zeit, aus dieser gefährlichen kollektiven Trance zu erwachen und – kollektiv! – jeder für sich sein individuelles Potential zu befreien. Sich selber zu ermächtigen, seine eigene Lebensperspektive, seine Vitalität und seinen natürlichen Verstand zu benutzen, um den Machtmissbrauch und den Wahnsinn zu erkennen, zu benennen und zu entmachten?!
In Indigenen Kulturen gab und gibt es Ritualle für den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsen. Wenn heute viele diesen Übergang noch nicht vollzogen haben, dann könnte ihnen eine modernes Übergangsritual diesen Schritte erleichtern: ein ritualisierter Perspektivwechsel!
Dafür gibt es schon bald eine Gelegenheit:
3. Resilienztag am Samstag, 10. Januar 2026
Zeiten: 10-13h, 15-18h
„Selbstermächtigung und Resilienz durch Perspektivwechsel“
für Jugendliche von 14-90 Jahre!!
Honorar: für Jugendliche von 14-19 € 40
Für Jugendliche von 19-90 € 70
Programm:
Nach der Vorstellungsrunde zeige ich mit einer Teilnehmer*in den kurzen etwa 15 Min dauernden Lösungsprozess, anhand eine „Alltagsproblems“. Die Klient*in stellt mit Symbolen das Problem in Bezug zu ihrem Alltags-Ich und ihrem wahren Selbst. Meist zeigt sich dann ein unbewusstes „Abgrenzungsverbot“. Wenn die Klient*in erkennt, dass dies mit einer unbewusst übernommenen fremden Perspektive zusammen hängt, kann sie sich bewusst für einen Perspektivwechsel entscheiden, und spürt sofort die befreiende Wirkung. Nach einer allgemeinen Fragerunde haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, das Erlernte sofort untereinander anzuwenden.
Der Nachmittag beginnt wieder mit einer Aufstellung durch mich, dann Fragerunde und Übungsgruppen zu 3-4 Teilnehmer*innen.
Anwendungsmöglichkeiten
Dieser einfache Trainings-Prozess eignet sich als Selbstcoaching. Es öffnet Türen zu mehr Selbstwert, Resilienz und einer selbstbestimmten Zukunft – ein mutiger Schritt aus der Resignation hin zu einem erfüllten Leben.
Sie können dies Training auch als Elternteil oder als Lehrer*in mit Jugendlichen oder Erwachsenen in im Einzel- und Gruppensetting anwenden. Geben sie das Gelernte weiter, an Kolleg*innen, an Freund*innen. Selbstermächtigung kann ansteckend sein! Und: Glück kann verbinden!
Durch das gemeinsame Üben können Vernetzungen entstehen-vielleicht als Vorbereitung auf eine „Artgerechtes Gesellschaft“.
Anmeldungen bitte an: sekretariat@e-r-langlotz.de
TERMINE
In der archivierten Form des Newsletters werden die Termine nicht hinterlegt.
Eine Übersicht aktueller Termine finden Sie auf unserer Homepage.
Wir grüssen euch herzlich!
Ero und Phil
(versendet: 01.01.2026)