Du stellst dich in den Raum, siehst, ob du dich selbst spüren kannst.
Du stellst einen Repräsentanten (Stuhl) für die Person auf, z.B. die Mutter,(Vater, Partner, Kind, Arbeitskollegen) zu der (dem) du eine belastete Beziehung hast.
Du prüfst, ob sich dadurch deine Eigenwahrnehmung verändert hat.
Meist ist das der Fall. Du stehst viel zu dicht bei der „Mutter" - Verschmelzungs-tendenz - oder extrem weit weg von ihr: Überabgrenzung.
Dann kannst du im Raum den Abstand zu deiner „Mutter" verändern, den Platz suchen, an dem du dich wieder spüren kannst.
In einzelnen dramatischen Fällen von extrem geringer Abgrenzung ist das erst möglich, wenn du einen Paravent(!) zwischen dich und die „Mutter" - repräsentiert durch einen Stuhl - stellst!
Deine Abgrenzung kannst du in weiteren Schritten überprüfen, die Veränderung lässt sich sofort spüren.
Du legst einen Schal als Symbol einer Grenze zwischen dich und die „Mutter".
Du stellst z.B.Mutters früh verstorbenen Vater (Bruder, früheren Verlobten...), symbolisiert durch einen weiteren Stuhl - hinter oder neben die Mutter. (Kinder neigen unbewusst dazu, den Eltern die fehlenden, früh verstorbenen Angehörigen zu ersetzen).
Du stellst einen Stuhl für Mutters „Selbst" neben sie - mit dem sie wahrscheinlich nicht so eng verbunden war.
Du stellst einen Stuhl - mit einem roten Meditationskissen o.ä. - für deine eigenen Selbst-Anteile auf, die du „versteckt" hast, um dich ganz auf die Mutter einzustellen, Den „wilden Kerl" oder das „verletzte Kind".
Vielleicht stellst du diesen Stuhl weit entfernt von dir auf, dabei wird dir die Tatsache deiner Selbst-Entfremdung schmerzhaft bewusst. Ist dir dieser Teil vertraut? Lehnst du ihn ab? fehlt er dir? Spürst du vielleicht Sehnsucht danach, vollständig zu sein, ganz du selbst?
Bei jedem dieser Schritte spüre nach, ob sich etwas für dich verändert. Wenn du dich dann „mehr bei dir selber fühlst", dann ist das ein Hinweis auf dein Abgrenzungsproblem.
Hier wird das Dilemma der Symbiose deutlich, dich selbst im Kontakt zum Gegenüber zu spüren, gleichzeitig zu sich selbst und zum Gegenüber in Verbindung zu bleiben.In der Symbiose hast du nur die Wahl, entweder dich selbst, oder das Gegenüber zu verlieren.
Du kannst die beiden Grundbedürfnisse, nach Nähe und nach Autonomie, nicht miteinander verbinden,WEIL DEINE INNERE GRENZE FEHLT! So kommt es zum bekannten Wipp-Phänomen zwischen Überanpassung (Verschmelzung) und Überabgrenzung.
Das Fehlen der inneren Grenze
Da du dich im Kontakt nicht abgrenzen kannst, neigst du zur Verschmelzung. Um dich selbst wieder zu spüren, bleibt dir nur der Kontakt-Abbruch - Überabgrenzung. Ohne „innere Grenze" hast du nicht den „inneren Raum", der es dir ermöglicht, mit allen Selbst-Anteilen verbunden zu bleiben, ganz egal, ob dein Gegenüber damit einverstanden ist oder nicht.
Überprüfen einer Verschmelzung...
Stell dich auf den Platz deiner Mutter und spüre, ob du dich auf diesem Platz „auskennst"?
Manchmal kann man sich so gut in einen anderen hineinversetzen, dass man gar nicht mehr aus ihm herauskommt!
Man übernimmt Gedanken und Gefühle des anderen, als seien es die eigenen!
Bist du mehr auf „Mutters Boot", als auf deinem eigenen?Bist du da „blinder Passagier, oder vielleicht „Lotse" oder gar „Kapitän"Das fühlt sich vielleicht edel an, selbstlos, - der „verborgene Gewinn" - aber es trennt dich von deinem Selbst. Der Preis: Dein Boot ist vielleicht in Seenot - weil der Kapitän nicht an Bord ist!
Viele Klienten können sich der Mutter gegenüber nicht als eigenständig, als abgegrenzt wahrnehmen, sie erleben sich als ein Teil der Mutter,
so als steckten sie in der Mutter - oder die Mutter in ihnen.
als seien sie ein Organ, eine Kolonie der Mutter,
als dürfe die Mutter über sie verfügen,
als seien sie dafür verantwortlich, dass es der Mutter gut geht.
...und Lösen
Nachdem dir so das Phänomen deiner Verschmelzung bewusst geworden ist, der verborgene „Gewinn" aber auch der Preis, den es dich kostet, kannst du dich entscheiden, wo du hingehörst. An deinen eigenen Platz?
Dann steige aus und sage zu deiner Mutter:
„Du bist Du, ich bin ich, Du hast dein Schicksal, ich habe meines - und es darf anders sein als deines!"
Auch wenn sich das egoistisch oder lieblos anfühlt, es ist gesund, es ist dein gutes Recht!
Wenn du auf Mutters Boot warst, dann kennst du ihr Leid, ihren Schmerz, ihre Schuldgefühle, und hast es vielleicht getragen, als wären es deine eigenen. Du hast geglaubt, es würde für Mutter leichter, wenn du es ihr abnehmen würdest. Eine Illusion! Und das hält dich fest, am falschen Platz.
Symbolisiert durch einen schweren Kieselstein kannst du der Mutter das Übernommene zurückgeben:"Mutter vielleicht habe ich mehr dein Leid als deine Kraft gesehen. Ich achte deine Kraft, indem ich dein Leid bei dir lasse!"
Auch wenn sich das egoistisch oder lieblos anfühlt, es ist gesund, es ist dein gutes Recht!
Erster Kontakt zu den abgespaltenen Selbst-Anteilen
Spüre zu deinen Selbstanteilen: hättest du sie gerne näher bei dir? Lehnst du sie nicht mehr ab? Möchtest du mit ihnen verbunden sein?
Nehme sie so nahe zu dir, wie dir möglich ist. Dann wende dich wieder zur Mutter.
Abgrenzung zur Mutter
Du kannst mit deinem Selbst nur verbunden sein, wenn es eine klare Grenze zwischen dir und deiner Mutter gibt. Bist du bereit, diese Grenze zu schützen, auch gegenüber deiner Mutter? Ja?
Das kannst du, auf einer symbolischen Ebene, in deiner Imagination selbst überprüfen.
Dann stell dir vor, sie kommt auf dich zu, und bevor sie deine Grenze erreicht, schiebst du sie mit voller Kraft zurück.
Das, was dich jetzt hemmt, ist ein „unbewusstes Abgrenzungsverbot". Es ist der Kern des Symbosethemas.
Auch wenn sich das egoistisch oder lieblos anfühlt, es ist gesund, es ist dein gutes Recht!
Wiederhole es, bis du deine Grenze mit voller Entschiedenheit schützen kannst.
(Dieses Ritual lässt sich noch besser real, mit einem Repräsentanten der Mutter vollziehen.)
Verbindung mit den abgespaltenen Selbst-Anteilen
Zum Schluss wendest du dich wieder zu deinem Selbst. Versuche, statt mit der Mutter, mit deinem Selbst zu verschmelzen, mit den Anteilen, die du glaubtest der Mutter nicht zumuten zu dürfen.
Und dann kannst du der Mutter dich zeigen, wie du wirklich bist:
„Mutter, du kennst mich noch gar nicht. Da gibt es einen Teil von mir, der ist gar nicht lieb und brav, der fühlt sich auch vollständig ohne dich. Und einen anderen, der darf auch schwach oder traurig sein, verspielt und übermütig. Und ab heute verstecke ich mich nicht mehr, ab heute stehe ich zu mir, so wie ich bin!"
Diese Rituale lassen sich auchin abgewandelter Form mit anderen Personen, dem Vater, einer Grossmutter, deinem Partner, einem Geschwister, einem Kind, einem früh Verstorbenen vollziehen, von denen man noch nicht getrennt ist.
Wenn du merkst, dass diese Rituale etwas in dir auslösen, und wenn du mehr davon spüren willst, kann es sinnvoll sein, diese Schritte in therapeutischer Begleitung zu vollziehen.
Das ist die Vorgehensweise der Systemischen Selbst-Integration.