Inhalte dieses Newsletters:
Liebe Abonnenten meiner Newsletter!
es gibt vieles, das mich bewegt und ich möchte es mit euch teilen. Gerade bin ich in Urlaub auf Rügen und habe auf Hiddensee das Haus Gerhart Hauptmanns besucht. Ich stiess auf seine Biografie, die mich in eine Zeit vor Hundert Jahren zurückführte. „Die Weber“: Welche Umwälzungen, welches Leid! Wie verbreitet waren Unrecht, Unterdrückung, Armut, Hunger, Krankheit! Sie zwangen zu Anpassung und Unterwerfung, Beispiel für kollektive Traumatisierung und Selbst-Entfremdung. Aber das Bedürfnis nach Autonomie liess sich nicht unterdrücken, bewirket Rebellion, Aufstand.
Hauptmann hat die Schule nicht abgeschlossen, hatte zeitlebens Probleme mit der Rechtschreibung, so dass er lieber diktierte als selber schrieb. Zwei Ausbildungen als Bildhauer und als Landwirt hatte er abgebrochen. Er wurde zu dem Schriftsteller, der diese Zustände drastisch schilderte, der dem Leid der vielen Ausdruck gab und, in einer Gratwanderung zwischen Rebellion und Anpassung, seinen Teil zu einer Aufklärung und Bewusstwerdung beitrug.
„Aggressionstraining“
Viele Menschen haben Probleme mit Aggressionen: zuviel, zuwenig, an der falschen Stelle, zum falschen Zeitpunkt (zu früh oder zu spät).
Im Prozess der systemischen Aufstellung, durch die „systemische Selbst-Integration“ wird das Problem neu gesehen und anders verstanden.
Wir alle haben ein aggressives Potential, welches lebensnotwendig ist, z.B. als „Selbstschutzreflex“, in der Abgrenzung, (aber auch um sich und die eigene Meinung vertreten zu können, um sich für Neues zu interessieren, Probleme anpacken zu können.) Durch traumatisierende Erfahrungen wird der Selbstschutzreflex blockiert und damit ein „gesunder Kanal“ für die Aggression verschlossen.
Die Erfahrung von seelischer oder körperlicher Gewalt führt oft dazu, dass die Betroffenen Aggression als etwas grundsätzlich Negatives bewerten. Die eigene, gesunde Aggression wird dann unterdrückt, staut sich an, wird destruktiv, richtet sich gegen sich selbst oder entlädt sich unkontrolliert nach aussen.
Unterdrückung der Aggression macht also nicht friedlicher, sondern im Gegenteil destruktiver!
Im Abgrenzungsritual wird der blockierte Selbstschutzreflex“ befreit. Dadurch öffnet sich wieder der „Kanal“ für die gesunde Aggression. Die gestaute, destruktiv gewordene Aggression kann auf unschädliche Weise wieder „abfliessen“. Das „destruktive Potential“ baut sich wieder ab.
Die Teilnehmer an einem Therapieseminar lernen, ihre gesunde Aggression wieder zu erleben und auf konstruktive Art einzusetzen.
Aggressions-Training statt Anti-Aggressionstraining!
Verbindung mit dem eigenen Kraft-Tier
Die Befreiung der blockierten Aggression geht mit einer Neubewertung der Aggression einher. Früher habe ich diese Kraft als „Hofhund“, als „Bordhund“ bezeichnet, der zu Unrecht an die Kette gelegt oder gar „mit Depot-Valium ruhig gestellt“ wurde. Er ist aber lebenswichtig, seine Aufgabe ist es, „blinde Passagiere“ oder unerwünschte Lotsen zu entdecken und zu vertreiben.
In letzter Zeit fordere ich die Klienten auf, sich vorzustellen, welches kraftvolle Tier sie dabei unterstützen könne, sich besser zu schützen. Mal ist es eine Löwin, dann ein Bär, eine Wölfin, ein weisser Tiger, ein schwarzer Panter. Ein Puma oder ein Leopard. Das erinnert an die schamanischen Vorstellungen von „Kraft-Tieren“.
Für die Klienten erhält so ihre Kraft einen Aspekt von natürlicher Schönheit und Würde, die sie nicht mehr „verstecken“ müssen!
Und es genügt schon, wenn sie dies Krafttier „an der Seite haben“. Es muss nicht immer bellen oder beissen. Die anderen nehmen diese Kraft wahr und respektieren sie.
Das ist für manche eine ganz neue Erfahrung!
Kann Familienstellen schaden?
Familienaufsteller und ihre Klienten haben die Vorstellung, dass Aufstellungen geeignet sind, das Leid der Klienten zu lindern, indem sie Verstrickungen mit Schicksalen der Herkunftsfamilie bewusst machen und lösen. Daran muss ja etwas sein, sonst hätte sich das Familienstellen nicht so schnell über die ganze Welt verbreitet.
Andrerseits gibt es die Erfahrung, dass Aufstellungen nicht immer positive Wirkungen haben, dass sie auch psychotische und suizidale Krisen auslösen können. Viele Familiensteller wollen davon nichts wissen. Mein kurzer Artikel „Psychose nach Familienaufstellung“ wurde von der „Praxis der Systemaufstellung“ nicht angenommen.
Meine Hypothese lautet kurz gesagt, dass sehr traumatisierte Klienten in dieser Hinsicht gefährdet sind und dass dafür vor allem die mangelnde Berücksichtigung des Symbiosekomplexes verantwortlich ist.
Wenn einem belasteten Klienten die Möglichkeit von symbiotischen Identifikationen mit Schicksalen seines Familiensystems bewusst gemacht wird, wenn es ihm nach der Aufstellung schlechter geht, weil diese Zusammenhänge nur „aufgestellt“ und nicht wirklich gelöst wurden, dann suchen – und finden - Aufsteller und Klient meist weitere schwere Schicksale in seinem System, die ebenfalls aufgestellt werden. Wenn diese Identifikationen wieder nicht gelöst werden, dann werden seine Verstrickungen mit dem Herkunftssystem noch verstärkt. Und er bekommt die Vorstellung, dass sein Schicksal ohne sein Wissen von fremden Schicksalen bestimmt wird, dass er dem hilflos ausgeliefert ist, so als würden „fremde Lotsen“ sein Schiff steuern.
Das verhilft dem Klienten nicht zu mehr Autonomie und Selbstbestimmung, sondern im Gegenteil, es macht ihn hilflos und resigniert.
Daher scheint es mir so wichtig, immer wieder auf das Symbiosethema und seine vielen Facetten hin zu weisen.
Symbiosemuster durch frühe Verluste und anonyme Gewalt
Wie ich bereits im letzten Newsletter erwähnte, wird immer deutlicher, dass besonders
heftige Symbiosemuster durch frühe Trennung von einer wichtigen Bezugsperson, aber auch durch die frühe
Erfahrung von „anonymer“ Gewalt – z.B. Bombenangriffe – ausgelöst werde können.
Das erläutere ich an Hand von weiteren Fallbeispielen auf meiner Homepage: u.a.
„Verlassenheitsängste“, „Kinderwunsch“.
Termine
Symposion Symbiose in System- und Strukturaufstellung
München 5./6.12.2009
Die ersten Teilnehmer haben sich angemeldet. Mehr Infos auf der Homepage.
Therapieseminar-Termine
Die letzten Seminare waren übervoll. Es gibt ein zusätzliches Therapieseminar 27.-30.8.2009.
Supervision
Nächster Supervisionskurs ist 17.-19. September. Honorar € 300 inkl. MWst. Für Lizenznehmer ermässigt sich das Honorar um die Lizenzgebühr auf € 150 inkl. MWst.
Bitte bis 1.September anmelden!
Kollegialer Austausch: Do. 17.09.2009 20h, bitte vorher telefonisch anmelden!
Weiterbildung 2010/2011
Die neuen Termine und weitere Informationen auf der Homepage!
Rügen, 13.8.2009
Robert Langlotz