Newsletter März 2006
29.03.2006

Liebe Freunde!

In diesem Newsletter findet Ihr insbesondere:

Die Begegnung mit Irina Prekop und den Festhaltetherapeuten war für mich sehr berührend und fruchtbar. Irina's Anliegen ist es, durch Versöhnungsarbeit dahin zu wirken, dass die Liebe wieder fließen kann, zwischen Mutter und Kind, aber auch zwischen Partnern. Es geht beim Festhalten offenbar darum, sich auch negative Gefühle wie Zorn, Wut, Hass, Ärger im Kontakt zu sagen, ohne das übliche Abbrechen des Kontaktes. Wenn es gelingt, auf diese Weise abgespaltene Gefühle wieder zu integrieren, dann können die beiden Grundbedürfnisse nach Nähe und nach Autonomie verbunden werden.
Diese Überlegungen habe ich im folgenden Text formuliert:

LEBEN
STATT ÜBERLEBEN


Die meisten von uns haben als Kind gelernt, zu überleben.
Aber vielleicht konnten wir nicht lernen, zu leben?!

Was macht LEBEN aus?
Dass ich meine beiden Grundbedürfnisse miteinander verbinden kann:

  1. das Bedürfnis ganz ich selbst zu sein, meine Gefühle und Bedürfnisse spüren und dem Gegenüber mitteilen zu können.

  2. das Bedürfnis nach Liebe, nach Nähe und Zugehörigkeit.

Wenn Eltern selbst nicht Kind sein konnten, dann können sie nicht Eltern sein, das heißt, ihr Kind als Kind wahrnehmen, als ein Wesen mit eigener Identität, eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Sie fühlen sich vielleicht durch die Vitalität ihres Kindes, durch seine intensiven Gefühle von Liebe und Hass, Freude, Trauer und Wut bedroht, gefährdet. Dann glauben sie, ihr Kind dazu erziehen zu müssen, sich anzupassen, so wie sie selbst sich anpassen mussten, z B. indem sie ihm damit drohen, ihm ihre Liebe zu entziehen.
Um auf Nähe und Zuwendung der Eltern nicht verzichten zu müssen, entwickeln Kinder Überlebensstrategien. Sie lernen, sich den Erwartungen und Bedürfnissen der Eltern anzupassen.
Sie lernen, eigene Bedürfnisse und Wünsche zu unterdrücken, um zu ÜBERLEBEN.
Da sie selbst, ihre Lebendigkeit nicht leben gelernt haben, setzen sie die alten Überlebens- und Anpassungs-Strategien fort.
Das ist eine entscheidende Ursache für Beziehungsprobleme, Identitätsverwirrung, für seelische und körperliche Erkrankungen.

Die Zulus, ein afrikanischer Volksstamm, begrüßten sich früher mit den Worten ICH LEBE.
Das enthält beides: ICH sein können und LEBENDIG sein können. Das ist Voraussetzung für Kraft und Kreativität, für eigene Würde und für die Achtung der Würde des anderen, für die Fähigkeit, mit Freude und Liebe auf ein DU zugehen zu können

Ein Aufstellungs-Seminar gibt die Chance, mehr Leben ins Leben zubringen, mehr zum eigenen ICH zu finden, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu spüren und auszudrücken. Es ist ein Kurs in der KUNST, ZU LEBEN.

Effizienzprüfung

Mit dem Selbstbeurteilungsfragebogen SCL 90 R haben wir bei 152 Seminarteilnehmern folgende Ergebnisse feststellen können:

Besserung           78.9 %
Stagnation          11.8 %
Verschlechterung  9.2 %

Peter Hedderich möchte ich an dieser Stelle für die Test-Auswertung und die Statistik danken.
Noch eine Beobachtung: wenn ich die Zeitung lese oder das Fernsehprogramm anschaue: soviel Leid, Aggression, Zerstörung. Und in den Seminaren: hinter all der Verzweiflung, dem Groll, dem Hass, soviel Liebe.
Merkwürdig, dass in den Medien sowenig davon auftaucht!
Wie schützen wir uns vor dieser Innenweltverschmutzung?

Sonstige Infos

Auf der Homepage gibt es neue Texte:
Hellinger und die Kritik und Psychose nach Familienaufstellung.

In der Psychiatriezeitschrift Neurotransmitter wurde mein Aufsatz über Familienstellen in der psychiatrischen Praxis abgedruckt, die z. T. sehr kritischen Leserbriefe ermöglichen, noch differenziertere Stellung zu beziehen.

Der nächste kollegiale Austausch ist am 11.04.2006 19.30 Uhr in der Praxis.

Dies und alles Übrige auf meiner Homepage www.e-r-langlotz.de

Ich sende Euch herzliche Grüße
Euer

Dr. Robert Langlotz




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