systemische selbstintegration MÜNCHEN
Newsletter August 2010
28.07.2010
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:

 

Ich freue mich auf den Urlaub ...Zeit zum Entspannen, Geniessen. Die Aufstellungsarbeit erfüllt und bewegt mich immer wieder neu. Wie schön und liebenswert sind Menschen, wenn sie es wagen, sich zu öffnen und zu zeigen! Dennoch: die bisweilen heftigen Schicksale berühren mich, die ständige Achtsamkeit erfordert viel Kraft.

Soll ich euch verraten, was mir in letzter Zeit dabei hilft, wieder mein inneres Gleichgewicht zu finden?


Viola da Gamba

Schon der Name dieses sechssaitigen Streichinstrumentes aus der Spätrenaissance ist Musik.....klingt vornehm, wie von altem Adel. Wie differenziert und vollkommen die Form des Instrumentes, geschaffen von Künstlern, erfüllt von einer tiefen Liebe zur Musik. Der Klang ist der menschlichen Stimme ähnlich, er umfasst den weiblichen Sopran wie den männlichen Bass, einzeln oder im consort vermag er die Seele zu berühren.

Mich führt das in eine andere Welt. Allein die Begegnung mit Gambenbauern, die ihr Leben ganz dem Studium alter Instrumente aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und der Verfertigung von Kopien widmen. Die Athmosphäre der Werkstatt, die Hölzer, das Werkzeug, die Grundrisse, der Geruch nach Leim und Lack.

Vor 35 Jahren habe ich, durch meine erste Frau, die Viola da Gamba entdeckt und mich intensiv mit der Musik der Renaissance und des Frühbarock beschäftigt.

Mit der Trennung von meiner ersten Frau trat auch die Gambe in den Hintergrund, ich trennte mich nach und nach von den meisten Instrumenten.

Vor ungefähr einem halben Jahr entdeckte ich die Gambe sozusagen zum zweiten Mal und entschloss mich, ein neues Instrument zu erwerben. Vor drei Monaten fand ich nach langem Suchen zwischen Hamburg, Genua und Budapest in Holland ein neues Instrument – nach Pieter Rombouts, das meiner Klangvorstellung enstpricht.

Um sich entfalten zu können, muss es fleissig gespielt werden – und das tut auch mir gut. Es ist wie die Wiederbegegnung mit einem Teil von mir selber, von dem ich gar nicht wusste, wie sehr er mir gefehlt hat... Es macht mich zufriedener, ausgeglichener.

Am liebsten spiele ich kleine Stücke, Preludes, Almanden, Couranten, Gigs, Sarabanden englischer, deutscher und französischer Musiker aus einer alten Notenhandschrift aus 1666, das in der Bibliothek eines österreichischen Schlosses die Jahrhundert überdauert hat, und vor 30 Jahren wieder entdeckt wurde.

Und ich werde mir bewusst, wieviel Musik auch in einer guten Aufstellung enthalten ist............


Rücknahme der Energie

Symbiose bedeutet immer gemeinsamer Raum mit dem Anderen ohne Grenze und daher Vermischung der Plätze, der Schicksale, der Energien. Für die Lösung bedarf es des Unterscheidens zwischen Eigenem und Fremden und des „Auseinanderdividierens“ mit Hilfe von Rückgaberitualen.

Für das Zurücknehmen der verlorenen eigenen Energie – oder verlorener Seelenanteile - verwendete ich bisher gerne und mit guter Wirkung das alte schamanische Ritual des Zurück-Hauchens (anima, die Seele, der Hauch).

Traumatisierte Klienten jedoch empfinden bisweilen die dabei erforderliche körperliche Nähe, das Berühren als unangenehm. Da bin ich über eine Qigong-Übung auf eine neue Form gestossen: der Klient selber streckt seine Arme seitlich aus, sammelt in einer Bewegung seine eigene Energie aus dem Raum wieder ein und führt sie, beide Handflächen übereinandergelegt, zu seinem Herzchakra, zum Kopf, zum Kreuzbein.


Aufstellungsvariante bei Trauma

Im letzten Seminar waren besonders viele Klienten mit Gewalterfahrung in der Kindheit – wobei die seelische Gewalt subtiler, aber deshalb vielleicht noch verletzender, noch deformierender wirkt als die körperliche.

Manche werden schon beim Vorgespräch von Gefühlen der Angst und Scham überwältigt. In diesen Fällen wäre die Konfrontation mit einem Repräsentanten des Täters – um die regelmässige Identifikation mit ihm zu überprüfen und zu lösen - zu heftig. Aus diesem Grund lasse ich den Klienten zunächst Repräsentanten für sein erwachsenes und sein kindliches Selbst aufstellen – von denen er meist ziemlich weit entfernt ist. Dann ermutige ich ihn, im „geschützten Raum der Gruppe“ sich diesen Anteilen zu nähern, zunächst dem erwachsenen Teil, „der sich frei und unbeschwert fühlen kann, der sich wehren kann“ - das geht meist leicht. Dann auch dem kindlichen Teil, „der verletzbar und bedürftig ist, der Gefühle wie Angst Hass und Trauer haben darf, aber auch neugierig, verspielt und kreativ ist, eben wie ein Kind“. Das ist oft viel schwieriger – und deshalb besonders wichtig. Hilfreich sind Sätze wie „dein inneres Kind musste soviel aushalten – nur deshalb konntest du erwachsen werden. Keiner hat es gesehen, getröstet und beschützt. Könntest du ihm jetzt, das du selber gross und erwachsen bist, ihm das geben, was es damals gebraucht hätte?“

Wenn es dem Klienten gelingt, sich in dieser Weise mit seinen abgespaltenen Selbstanteilen zu verbinden, fühlt er sich vollständig, ganz. Nun ist er in der Lage, die Beziehung zu dem gewalttätigen Elternteil zu klären, ohne erneut traumatisiert zu werden.


Seminare in Wien

Seit 10 Jahren komme ich zweimal im Jahr zu einem Seminar nach Wien. Das ist schon eine schöne Tradition geworden. Einige wichtige Freundschaften sind inzwischen entstanden. Ich liebe Wien: die Menschen, die Nähe zum Balkan, zum Orient. In den Aufstellungen begegnen andere Schicksale.

Bisher fanden die Seminare am Stephansplatz 4 statt, in Räumen der Erzdiözese Wien. Das Glockengeläut des Stephansdomes setzte eigene Akzente, und gab manchen Aufstellungen eine besondere Färbung. Das hatte auch seinen Preis: einmal wurde ich vom Sektenbeauftragten der Erzdiözese Wien zu einer hochnotpeinlichen Befragung wegen meiner Haltung zum Schamanismus zitiert!

Das nächste Wiener Seminar findet vom 23.-26. September statt, an einem neuen Platz: Im Wendepunkt Lindengasse 37/6, 1070 Wien.

Anmeldungen sind noch möglich (das letzte Seminar war eine Woche vorher ausgebucht).


Ich Grüße euch alle herzlich

Robert Langlotz



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