Newsletter März 2010 / II
11.03.2010
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:

 

Grenze als „Spam-Filter“

Symbiose stellt sich immer wieder dar als fehlende Abgrenzung z.B. zu den Eltern, verbunden mit einer Abspaltung eigener Selbstanteile.

Dieses Phänomen lässt sich auch als Störung des „Spamfilters“ beschreiben und so für Computer-Erfahrene plausibel machen. Häufig ist der „Spamfilter“ insofern gestört, dass er „Fremdes“, z.B. von den Eltern, vom Partner, in den „Inneren Raum“ hineinlässt, als wäre es „Eigenes“. Und das Eigene in den Spam aussortiert, als wäre es es unbrauchbarer Spam.

Abgrenzung gegen Alkohol

Kürzlich kam ein junger Mann in die Beratung, der schon in mehreren Aufstellungen seine Beziehungen geklärt hatte. Sein Alkoholproblem war dabei nicht gelöst. Jetzt wurde ihm eine Intensivtherapie vorgeschlagen. Und da dachte er, vielleicht könne er den Alkohol einfach aufstellen.

Ich griff das auf. Er stellte den Alkohol (repräsentiert durch einen Stuhl) 1 ½ Meter vor sich, seinen Selbstanteil, „der sich auch ohne Alkohol zufrieden fühlen kann“, 3 Meter hinter sich. Einen Schal als „Grenze“ zwischen sich und dem Alkohol empfand er als unangenehm.

Auf dem Platz des „Alkohols“ fühlte er sich sehr wohl – was ihn selbst erstaunte. Und es fiel ihm gar nicht leicht, zurück an seinen eigenen Platz zu gehen!

Nachdem er sich die Energie zurückgeben liess, die er dem Alkohol – statt sich selber – gewidmet hatte, konnte er Verbindung zu seinem Selbstanteil aufnehmen – auch das merkwürdig zögernd.

Nun ging es darum, zu überprüfen, ob er seinen „inneren Raum“ gegenüber dem Alkohol schützen könne.

Obwohl er das Abgrenzungsritual kennt, blieb er zunächst unschlüssig stehen, sodass ich als „Alkohol“ mühelos seine Grenze überschreiten konnte.

Ihm wurde deutlich, das er sich dem Alkohol gegenüber in einer falschen Sicherheit gewiegt hatte, weil er es einmal 3 Monate ohne Alkohol geschafft hatte. Und er erwartete von sich, für immer auf Alkohol zu verzichten – was emotional eine Überforderung ist - anstatt sich vorzunehmen, für den nächsten Tag auf Alkohol zu verzichten – ein bescheideneres, aber realistisches Ziel. Wir wiederholten das Abgrenzungsritual mehrmals, bis er mit der erforderlichen Klarheit und Entschiedenheit schon bei de ersten Bewegung des „Alkohols“ pfeilschnell nach vorne stürmte, um mich zurück zu schieben.

Ich bin gespannt auf die Wirkung. Ich empfahl im dringend eine Selbsthilfegruppe. Die positive Wirkung dieser Gruppen liegt darin: solange man hingeht, ist man sich seines Problems bewusst und der Notwendigkeit, täglich wachsam zu sein.

Partnerbeziehung und Symbiose

Ich erlebe immer wieder, dass Klienten aus sehr belasteten Herkunftsfamilien immer wieder neue Schicksale aus ihrem System aufstellen, weil etwas „noch nicht gelöst ist“. Natürlich finden sich dabei immer wieder Symbiose-Aspekte, die sich lösen lassen. Merkwürdigerweise kommen sie nicht auf die Idee, ihre eigene Partnerbeziehung an zu schauen. Dabei ist es fast unvermeidbar, dass bei belasteten Klienten auch die Partnerbeziehung – wie alle Beziehungen – symbiotisch geprägt ist. Wenn die Partnerbeziehung nicht geklärt wird, dann kann sie – so scheint es mir – das Symbiosemuster weiter aufrecht erhalten! Und – wie im letzten Newsletter berichtet – bisweilen ist es auch die symbiotische Beziehung zu einem Tier, welche das Muster aufrecht erhält!

Rückmeldungen für Buch

Es sind auf meine Bitte vom letzten Newsletter mehrere Rückmeldungen gekommen, in denen kurz das ursprüngliche Anliegen, der Aufstellungsverlauf und die Auswirkungen skizziert werden. Herzlichen Dank!

Männer gefragt

Nachdem im letzten Seminar mehr Männer als Frauen teilnahmen (!!), hat sich das „männliche Interesse“ an den Therapieseminaren wieder gelegt. ;-) Für die Seminare 18.-21.3. und 15.-18.4. (Wien) sind bereits alle Frauenplätze ausgebucht, für Männer habe ich noch einige Plätze frei gehalten!

Verschiebung Weiterbildung

Der Beginn beider Weiterbildungskurse verschiebt sich jeweils um einen Block. Der Grundkurs für Anfänger beginnt 24.-26.6.2010, der verkürzte Grundkurs für bereits Erfahrene beginnt 8.-10.7 2010

Therapieseminar 22.-25.4.2010

Wegen der grossen Nachfrage habe ich ein zusätzliches Therapieseminar eingeschoben.

Supervision

Die nächste Supervision findet 14./15.Mai statt. Gelegenheit, um schwierige Fälle gemeinsam an zu schauen, um eigene Anliegen zu bearbeiten, eigene Erfahrungen auszutauschen. Notwendiges „Update“ für alle Therapeuten der „Liste“!


Ich wünsche Euch allen Frühling, ein Aufbrechen und Entfalten dessen, was sich schon immer zeigen wollte!


Robert Langlotz




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