systemische selbstintegration MÜNCHEN
Newsletter März 2010
01.03.2010
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:

 

Liebe Freunde, liebe KollegInnen!

"Gemeinsamer seelischer Raum“

Dieser Begriff hat sich mir in letzter Zeit als hilfreich erwiesen, um ein bestimmtes Phänomen zu beschreiben. Kinder „projizieren ihr Selbst auf die Eltern“ (C.G.Jung), das heisst, sie sind ihnen gegenüber noch nicht abgegrenzt, leben in einem „gemeinsamen seelischen Raum“ mit ihren Eltern. In der Pubertät vollzieht sich dann – notwendig, aber auch schmerzhaft für alle Betroffenen - der Prozess der Ablösung, der Errichtung einer eigenen Grenze, auch gegenüber den Eltern. Wenn z.B. jemand früh einen Elternteil verloren hat, noch bevor er sich von ihm innerlich ablösen konnte, bevor er ihm gegenüber innerlich eine Grenze aufbauen konnte, dann hält er diesen gemeinsamen Raum noch aufrecht, um das gemeinsam Erlebte nicht zu verlieren. Er befindet sich sozusagen noch „auf dem Boot des verstorbenen Elternteils“. Er kann ihm gegenüber – aber auch anderen gegenüber – keine innere Grenze aufbauen. Der Verstorbene nimmt immer noch quasi den Platz des eigenen Selbst ein. Ein eigenes, abgegrenztes Selbst wird als bedrohlich erlebt – so als könne es die Verbindung zum verstorbenen Elternteil gefährden – und wird deshalb verdrängt, abgespalten.

Das ist die „Verwirrung der Symbiose“: Identifikation mit einem Anderen – statt mit dem eigenen Selbst, und Abgrenzung gegenüber dem Selbst, statt gegenüber dem Anderen.

Dieser „gemeinsame seelische Raum“ lässt sich mit Hilfe von Stellvertretern einfach sichtbar und damit bewusst machen. Das ermöglicht das Nachholen des Ablösungs- und Abgrenzungs-Prozesses gegenüber dem früh verstorbenen Elternteil mit Hilfe einfacher, sehr wirkungsvoller Rituale.


Identifikaton mit einer Katze

Wenn jemand Abgrenzungsprobleme hat, dann betrifft das ALLE seine Beziehungen, zu Eltern, Geschwister, zum Partner, zu den Kindern und zur Arbeit.

Und manchemal auch zu einem Tier!

Menschen, die durch frühe Verletzungen das Vertrauen in andere Menschen verloren haben, entwickeln bisweilen sehr intensive Beziehungen zu Tieren. Und dabei kann es auch zu einer identifikatorischen Verschmelzung mit einem Tier kommen – Hund, Katze, Pferd.

Kürzlich kam eine Klientin mit dem Anliegen, die Beziehung zu ihrem Kater „Swami“ zu untersuchen. Sie zeigte mir Bilder eines prächtigen graubraunen Katers, der, etwas überfressen, sich zwischen rosafarbenen Kissen räkelt. Er nehme soviel Raum in ihrem Leben ein, dass ihr Bekannter bereits eifersüchtig werde. Sie vermute, dass sie mit ihm „verschmolzen“ sei.

Sie stellt einen Stuhl als Repräsentanten ganz dicht vor sich. Ihr „starkes Selbst“, den Teil, der sich auch ohne Swami vollständig fühlt, kennt sie eigentlich gar nicht, sie stellt ihn hinter den Paravent. Sie wundert sich selber darüber ein bisschen, aber sie beginnt sofort von ihrem Swami zu schwärmen, wie gut er sich anfühlt, wie sehr sie ihn liebe.

Ich bekomme das Bild, dass Swami ihr Selbst ersetzt und dass sie – sozusagen als Revanche – versucht, Swami all das zu geben, was er braucht, um sich vollständig und gut zu fühlen, so als könne auch sie ihm sein „Katzen-Selbst“ ersetzen – wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich stelle also einen weiteren Stuhl als Repräsentanten für Swami's Selbst auf und tatsächlich, an diesem Platz fühlt sie sich sehr gut. Dieser Platz ist ihr bekannt. Und auch an Swami's Platz kennt sie sich aus! Offensichtlich handelt es sich tatsächlich um eine identifikatorische Verschmelzung mit ihrem Kater.
Nach der bewährten Vorgehensweise „steigt“ sie aus der Verschmelzung aus, das fällt ihr gar nicht leicht! Schrittweise klären wir die Vermischung, am Schluss schützt sie ihre Grenze gegenüber Swami und hat nun erstmals das Bedürfnis, wieder mit ihrem eigenen Selbst in Verbindung zu treten. Und sie tröstet sich mit dem Gedanken, dass Swami nun besser sein eigenes Katzenleben leben könne, nicht mehr belastet sei durch das, was sie von ihm erwarte!

Ich beobachte immer wieder, wie ein „uraltes“ - und mehrfach gelöstes - Symbiosemuster durch eine symbiotische Partnerschaft „am Leben erhalten wird“. Offenbar kann auch eine symbiotische Beziehung zu einem Tier dies Muster aufrecht erhalten.


Bitte um Rückmeldungen

Ich suche noch kurze Rückmeldungen, die ich – natürlich ohne Namen – in meinem Buch erwähnen darf.

Wer mich unterstützen mag, kann stichwortartig beschreiben:

1. seine anfängliche Probleme – eventuell auch eine medizinische Diagnose,

2. die in der(n) Aufstellung(en) bearbeitete (symbiotische) Beziehungen,

3. die Veränderungen danach.


Verschiebung Weiterbildung

Für beide Weiterbildungskurse 2010 haben sich noch nicht genügend Teilnehmer gemeldet.

Damit sowohl ich, als auch die Teilnehmer langfristig planen können, entscheide ich mich dazu, mit den Weiterbildungskursen erst zum zweiten Block anzufangen, d.h. im Juli 2010. Das ist auch eine Chance für die, die noch zögern, oder denen der Beginn im April zu früh war. Die genauen Termine findet ihr hier >>


Neuer Seminartermin 22.-25.4.2010 in München!

Da die Nachfrage nach Therapieseminaren sehr gross ist, habe ich einen zweiten Termin im April angesetzt. Beginn wie immer Donnerstag abend 20h. Dieser Abend ist gleichzeitig auch Informationsabend!


Supervision

Die nächste Supervision findet 14./15. Mai 2010 statt. Gelegenheit für schwierige Fälle, für eigene Anliegen, für Austausch eigener neuer Erfahrungen. Notwendiges „Update“ für alle Therapeuten der „Liste“.


Ich wünsche Euch einen schönen März mit endlich Sonne und Wärme!


Robert Langlotz




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