Newsletter Februar 2010
28.01.2010
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:


Rückgabe von „Seelenanteilen“
Die Rückgabe von Selbst-Anteilen („Seelenanteilen“ wie es die Schamanen nennen) durch Zurück-Hauchen ist ein wesentlicher Teil der Symbioselösung.

Inzwischen glaube ich, dies sehr wirksame Ritual tiefer zu verstehen. Bei symbiotischer Verschmelzung geben wir den Problemen, den Gedanken und Wünschen des anderen den Raum in unserem Bewusstsein, in unserem Gefühl, der eigentlich unserem Selbst zusteht. Damit geben wir dem anderen die „Energie“ (Aufmerksamkeit, „Libido“), die wir eigentlich selbst bräuchten. Durch das Ritual wird diese Energie symbolisch zurückgegeben, besser, der Klient kann sie zurückbekommen, wenn er sich dafür entscheidet. Wichtig: es ist seine eigene Energie, nicht die des Gegenüber.


Selbst-Verbot
Ein Klient, vital wie ein Bär, den ich seit vielen Jahren begleite, ist in seinem Beruf sehr begabt und perfekt, aber er kann nur für andere arbeiten, als Assistent, nie für sich, „auf eigene Rechnung“! Schon der blosse Gedanke daran löst bei ihm Schweissausbrüche aus.

Seine Mutter, selber schwer traumatisiert, erlebte alle seine Versuche, etwas Eigenes zu denken, zu sagen, zu tun, als bedrohlich und verstand es, ihm das Bewusstsein zu vermitteln, es sei ihm bei Todesstrafe verboten er selbst zu sein.

Obwohl er das nie akzeptierte, sich immer dagegen und gegen das Gefühl, verrückt zu sein, wehrte, lastete das wie Zentner auf ihm. Er fühlte sich entfremdet, suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Dies Gefühl der Entfremdung – in der Psychiatrie gilt es als ein Symptom der Psychose - verstehe ich in seinem Fall als Ausdruck eines tiefen gesunden(!) Wissens, dass er das eigentlich gar nicht ist!

Ich wollte keiner Teilnehmerin die Rolle dieser Mutter zumuten, nahm einen Stuhl und stellte ihn 4 Meter entfernt auf. Das alleine genügte, dass er zu Boden ging! Er hatte überhaupt keine Grenze, war sofort mit ihr und ihren Erwartungen identifiziert! Erst nachdem ich einen Paravent – die äussere an Stelle der inneren Grenze – dazwischen stellte, und ein Flipchart mit dem „Selbstverbot“ symbolisch umstürzte, konnte er zu sich kommen, konnte vorsichtig Kontakt mit dem Selbstanteil aufnehmen, der unbeschwert und erfolgreich sein darf. Es brauchte eine halbe Stunde, bis er es sich erlauben konnte, sich diesem Teil zu nähern! Entscheidend war dann noch das Abgrenzungsritual gegenüber der Mutter– statt meiner hatte sich eine erfahrene Teilnehmerin als Repräsentantin zur Verfügung gestellt.

Erschütternd: die Wucht dieser jahrzehntelang „eingebrannte“ Angst vor der unbekannten, der verbotenen Freiheit und Autonomie.

Du hast 40 Jahre „Sklaverei“ überlebt, ohne daran zu zerbrechen, du wirst auch die Freiheit bewältigen!“

Nach dieser Aufstellung kam es zu einem sehr heftigen Prozess der Veränderung, unterstützt durch weitere Aufstellungen und „klärende“ Gespräche.


Identifikation mit dem Lehrer
In der Weiterbildungsgruppe stiessen wir auf das Phänomen der Identifikation mit dem Lehrer. Es ist sehr häufig und kann den Lernprozess erleichtern. Wenn es allerdings zur „fixierten“ Identifikation kommt, verbunden mit einer Idealisierung, kann es auch ins Gegenteil, in Überabgrenzung und Abwertung führen, besonders wenn es einen zweiten, fähigen und faszinierenden Koleiter gibt, der sich als neues „Identifikationsobjekt“ anbietet.

Das kann zu heftigen Turbulenzen führen, die die Arbeit erschweren.

Glücklicherweise ist es mit dem Werkzeug der „systemischen Selbst-Integration“ möglich, eine solche Identifizierung mit dem Ausbilder sofort festzustellen und zu lösen. Die rasche „Befreiung“ ist verblüffend!


Weiterbildung 2010/11
Am 22. April beginnt die neue Weiterbildungsgruppe.

Ursprünglich hatte ich die Weiterbildung angeboten, gemäss den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen, sowohl hinsichtlich Ausbildungsinhalt als auch eines zweiten Ausbildungsleiters.

Es wird mir immer klarer, dass meine Arbeit einen grossen Schritt weiter geht, als das “Familienstellen nach Hellinger”. Das Konzept “systemische Selbst-Integration” ermöglicht es Beziehungsstörungen und psychische und psychosomatische Erkrankungen in einem ganz neuen Licht zu sehen und durch völlig andere Lösungsstrategien zu behandeln. Manche von der DGfS geforderten Ausbildunginhalte sind daher entbehrlich, bzw. mit dem neuen Konzept gar nicht vereinbar: “Sippengewissen”, “Bewegungen der Seele”, “Bewegungen des Geistes”.

Unter diesen Bedingungen ist auch die Zusammenarbeit mit einem Koleiter problematisch, der naturgemäss ein anderes Konzept vertritt. Ich habe in der laufenden WB-Gruppe erlebt, dass die Teilnehmer dadurch sehr irritiert wurden, sodass die gemeinsame Arbeit darunter gelitten hat.

Ich mache mich von den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen unabhängig in zweierlei Hinsicht:

1. ich werde die Ausbildung alleine, d.h. ohne Koleiter machen.

2. ich werde mich auch inhaltlich nicht an das Curriculum der DGfS halten.

Meine Weiterbildung entspricht also NICHT den Richtlinien der DGfS, anders als angekündigt. Mit dem Abschluss bekommt man kein DgfS-Zertifikat.

Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber es ist anscheinend unvermeidbar, immer mehr zur eigenen Autonomie zu kommen, wenn man andere bei diesem Prozess unterstützt! ;-)

In diese Sinne wünsche ich euch allen eine „gute Zeit“ der Klärung!

Robert Langlotz

 
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