Newsletter Februar 2008
31.01.2008
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:
  • 10 Thesen zur Essenz des Familienstellens
  • Info-Abend
  • Der kleine Prinz – eine Entzauberung


Für das Treffen der Familienaufsteller, die im April in Uslar die Essenz des Familienstellen diskutieren, habe ich die folgenden 10 Thesen formuliert:

10 Thesen zur Essenz des Familienstellens

  1. Als Psychiater habe ich mit schwer belasteten Klienten zu tun, Depressionen, Eßstörungen, Sucht, Borderlinestörungen, Psychosen. Nach meiner Erfahrung hat da das traditionelle Familienstellen wenig Wirkung. Das war für mich ein Anreiz, herauszufinden, was wirkt eigentlich beim Familienstellen, was ist die Essenz, wie kann man sie noch klarer formulieren und effektiver zur Wirkung bringen?
  2. Von Kollegen – Psychiatern und Psychotherapeuten – hörte ich, daß zu ihnen Patienten kamen, die nach einer Familienaufstellung suizidal oder psychotisch entgleisten. Das war für sie der Grund, das Familienstellen abzulehnen. Obwohl auch ich von ähnlichen Fällen hörte, nahm ich das zum Anlass, meine Bemühungen zu intensivieren.
  3. Bereits das „klassische“ Familienstellen enthält bestimmte Strategien –
    1. das Erkennen und Lösen von Identifikationen,
    2. das Überwinden der „blinden“ – symbiotisch-nachahmenden – Liebe durch eine „sehende Liebe“ – welche den Unterschied, die Distanz, die Abgrenzung wahrnehmen läßt –
    3. die Ablösung des „kollektiven Gewissens“ durch das persönliche Gewissen, die geeignet sind, symbiotische Muster zu lösen.
  4. Das könnte die „wirksame Essenz“ des Familienstellens sein: Die Befreiung aus symbiotischen Verstrickungen, das Finden zum eigenen Platz, zur eigenen Identität, zum eigenen Selbst. Allerdings sind Hellingers etwas willkürlichen Begriffe geeignet, diese günstige Wirkung zu mindern. Mir scheinen die Begriffe „blinde Liebe“ – statt symbiotische Anpassungstendenz – und „Sippengewissen“ – anstelle symbiotischer Anpassungsbereitschaft irreführend. Hier wird die Bereitschaft, sich auf andere einzustellen, ungebeten deren Erwartungen zu erahnen und zu erfüllen, als Ausdruck einer selbstlosen(!) Liebe (miß)verstanden – und nicht als fehlende Angrenzungsfähigkeit – ein verbreitetes, aber gefährliches Mißverständnis, welches die Not der Symbiose zur Tugend hochstilisiert.
  5. Ich folgte Bert´s eigener Maxime – sich frei zu machen von Konzepten und Begriffen - und es entwickelte sich mit einer faszinierenden inneren Logik das Symbiosekonzept. Das setting des Familienstellens erwies sich als hervorragend geeignet, die zentrale Dynamik von Selbst-Entfremdung und Symbioseneigung neu zu beschreiben, zu verstehen, dem Klienten bewußt zu machen und ihn dabei zu unterstützen, zu sich selbst, zu seiner Identität, zu seinem aggressiven Potential, zu seiner Handlungsfähigkeit zu kommen.
  6. Die Einbeziehung eines Stellvertreters für das „Selbst“ – die ungelebten Selbstanteile – erleichtert es den Klienten, sich aus der symbiotischen Identifizierung mit den Eltern und den Familienschicksalen zu befreien. Statt dessen können sie sich mit ihren ungelebten Selbstanteilen identifizieren, mit ihnen „symbiotisch verschmelzen“. Das unbewußte Abgrenzungsverbot und die Aggressionshemmung, welche die Lösung der Symbiosemuster so schwer machen, werden deutlich und können gelöst werden! Die Aufstellung gewinnt dadurch an Lebendigkeit und Fröhlichkeit.
  7. Obwohl oder besser weil ich mich von Begriffen und Konzepten Hellingers frei gemacht habe, ist für mich das Symbiose-Konzept eine logische Weiterentwicklung des Familienstellens, das dessen therapeutisches, dessen geradezu emanzipatorisches Potential zur vollen Entfaltung bringt. Seine Wirksamkeit ist nachweisbar. Kollegen anderer Therapierichtungen z.B. Stavros Mentzos und Dietrich Klinghart – haben es positiv bewertet.
  8. Ich verdanke Bert Hellinger sehr viel. Aber in seiner autoritären Art, in seiner Ablehnung von kritischer Diskussion, Theoriebildung, Effizienzforschung, durch seine eigenwillige Begriffsbildung und Konzeptualisierung hat er die Familienaufsteller „nach Hellinger“ nachhaltig geprägt. Dadurch wurde – so meine ich es zu sehen - die Entwicklung eines konstruktiv-kritischen Diskurses entscheidend erschwert, welcher für die Lebendigkeit und Entwicklungsfähigkeit der Methode des Familienstellens entscheidend ist.
  9. Nach meinem Verständnis erfordert die Loyalität zum Familienstellen - und in einem tieferen Sinne auch die zu Hellinger, daß ein Aufsteller authentisch ist, seine eigene phänomenologische Wahrnehmung entwickelt, diese Wahrnehmung mit den anderen teilt und so zu einer kritische Auseinandersetzung beiträgt. Nur so ist Veränderung und Wachstum möglich. Wird Kritik ausgegrenzt, abgewertet, dann droht Erstarrung?!
  10. Beim Treffen der Familienaufsteller in Uslar soll es um die Essenz des Familienstellens gehen. Solange wir selbst nicht unsere Methode kritisch hinterfragen, diskutieren und weiterentwickeln, solange maßgebliche Repräsentanten – ähnlich wie Hellinger selbst - Kritik als Bedrohung mißverstehen oder als Ausdruck persönlicher Unreife diskreditieren, dürfen wir uns nicht darüber beklagen, daß andere die wirksamen Elemente des Familienstellens übernehmen, modifizieren und daraus eigene Konzepte entwickeln!


Info-Abend

Am Mittwoch den 27.2.2008 werde ich in der Praxis von 19 –22 h mein Konzept erläutern und demonstrieren.
Eintritt frei!


Weiterbildung „Initiatisches Familienstellen“

Grundkurs 2008/9 für Anfänger mit 8 Blöcken à 3 Tagen beginnt 28.-30.05.2008.

Verkürzter Grundkurs 2008/9 für Erfahrene mit 4 Blöcken à 3 Tagen beginnt 30.07.2008.


Der kleine Prinz

Dies charmante melancholische Büchlein ist in manchen Kreisen so etwas wie eine Ikone geworden. Die Beschäftigung mit dem Symbiosethema läßt mich jedoch bestimmte Motive erkennen, die mich zu einer respektlosen Deutung veranlaßt haben, ihr findet sie, wie manches andere unter
www.e-r-langlotz.de/texte.php.


Telefonsprechstunde

Um besser erreichbar zu sein, habe ich versuchsweise eine Telefonsprechstunde Dienstag und Donnerstag von 11.30-13h eingerichtet. (Urlaub 28.01.-08.02.2008).


Ich grüße euch sehr herzlich!

Robert Langlotz




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