Newsletter Februar 2007
01.02.2007
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:
  • Das "falsche" Selbst
  • "gutartige" Verschmelzungen?
  • Adressenliste "prozeßorientierte" Aufsteller
  • Diskussionsforum für Anwender des "Verschmelzungskonzeptes"
  • Vision Tagung "Verschmelzungssyndrom"
  • Der Witz
  • Termine


"falsches Selbst"
Von Winnicott, dem amerikanischen Pädiater und Psychotherapeut stammt der Begriff des "falschen" Selbst. Er beschreibt sehr treffend das Phänomen, daß Kinder sich mit dem identifizieren, was die Eltern in ihnen sehen, was die Eltern von ihnen erwarten. Das hindert sie daran, sich selbst, ihre authentischen Gefühle und Bedürfnisse, ihr "wahres" Selbst  zu entdecken und zu vertreten. Natürlich gehören auch alle "Glaubenssätze" dazu, die mit Identifikationen verbunden sind: Mutter ich habe geglaubt, ich müßte dir das geben, was du von deinem Vater nicht bekommen konntest"!

"gutartige" Verschmelzungen
Bisher lag mein Augenmerk mehr auf den Verschmelzungen, die mit einer Störung der Autonomie einhergingen und die ich daher als "maligne" - bösartig - bezeichnet habe.
Inzwischen sehe ich, daß es drei Situationen von Verschmelzung oder Identifikation gibt, welche die Autonomieentwicklung fördern und daher als gutartig bezeichnet werden müssen:

  • Die Mutter-Kind-Symbiose erlaubt der Mutter, die Gefühle und die Wünsche des Säuglings - der sich ja verbal noch  nicht formulieren kann - zu erspüren und schafft so die Voraussetzung dafür, daß er sie selbst einmal spüren und benennen kann..
  • Das Kind identifiziert sich mit Vater und Mutter, sozusagen spielerisch übt es die Rolle des Erwachsenen ein, der er selber einmal sein wird. Damit bereitet es seine eigene Identität, seine eigene Autonomie vor.
  • Verliebte "lesen dem anderen die Wünsche von den Augen ab", diese Verschmelzung macht den Zauber dieses kostbaren Zustandes aus. Meist ist er verbunden mit einem Schub an Kraft, an Kreativität, an Mut - bis hin zur Tollkühnheit.

Nach meiner Beobachtung geht aus keiner dieser "gutartigen" Formen von Verschmelzung -auch aus der Mutter-Kind-Symbiose nicht! - eine "maligne Verschmelzung hervor, mit einer, allerdings entscheidenden Ausnahme: wenn der andere in dieser Verschmelzungs-Phase geht oder stirbt, entsteht für den Zurückgebliebenen  eine tiefe Wunde, wie eine Amputation, die meist ein ganzes Leben nicht heilen kann.
Der Betroffene erwartet, daß jemand ihm das Verlorene ersetzt, der Partner oder ein Kind. Und wenn er ein Kind hat, dann spürt das meist diesen Wunsch und sieht seinen Lebenssinn darin, dem Vater diese AMPUTATIONSWUNDE ZU HEILEN, so etwas wie eine Prothese für den Vater zu sein. Es identifiziert sich mit Vaters Erwartung, entwickelt ein entsprechendes "falsches Selbst" - und ist mit ihm verschmolzen und zwar maligne. Ein eigenes Leben, eine eigene Autonomie erscheinen ihm wie Verrat am Vater, Verstoß gegen die von ihm übernommene Aufgabe, die ihm erst die Existenzberechtigung gibt - verinnerlichtes Autonomieverbot!
Auf meiner Homepage findet ihr Fallberichte - u.a. "Panikattacken" - in denen ich diese Zusammenhänge erläutere.

Aufstellerliste "prozessorientiertes" Familienstellen
-bei der bekannten Traumatherapeutin Luise Reddemann las ich die Bezeichnung "phasenorientiert", die vielleicht sogar treffender wäre als prozeßorientiert?-
Die ersten Interessenten haben sich gemeldet und wir sind noch dabei, die Einzelheiten zu klären. Mir - und allen anderen Beteiligten ist natürlich wichtig, daß die Betreffenden das neue Konzept kompetent vertreten, daß sie gut trainiert sind.

Diskussionsforum Verschmelzung
Für Anwender des Verschmelzungskonzeptes soll dies ein Forum für Austausch, Fragen, Ergänzungen, Kritik sein. Das Paßwort erhalten die Interessenten auf Anfrage bei mir. Bisher stand hier auch die Stellungnahme der Scherrmanns und meine ausführliche Antwort darauf, - beides jetzt unter "Fragen und Antworten" - in der ich meine Position zu Hellingers Auffassungen - bei allem Respekt für sein Werk - noch einmal kritisch definiere. In dieser Auseinandersetzung wurde mir deutlich, daß für andere das Verschmelzungskonzept nicht immer so evident ist wie für mich, dies und andere Überlegungen findet ihr in meiner Antwort.

Vision: Tagung "Verschmelzungssyndrom, Autonomiestörung und Lösungen"
Ich plane für 2008 eine Tagung zu diesem Thema, evtl. mit Referenten aus benachbarten Therapierichtungen- für die Psychokinesiologie habe ich nach Dietrich Klinghardt oder einer seiner Mitarbeiter angefragt, ich denke auch an Craniosacraltherapie (Angelika?), evtl. auch Homöopathie. Für Anregungen und Hinweise bin ich dankbar.

Der Witz
Ein Mann mit Katzenphobie kommt zu einem berühmten Psychotherapeuten. Der findet sofort die Ursache heraus: der Mann glaubt, daß er eine Maus ist. In zwei Wochen Intensivtherapie erreicht er, daß sein Klient davon überzeugt ist, ein Mensch und keine Maus zu sein. Geheilt wird er entlassen - und steht nach fünf Minuten wieder vor dem Therapeuten, vor Angst schlotternd: "ich bin einer Katze begegnet!"
"Aber sie wissen doch, daß sie keine Maus sind sondern ein Mensch!!"
"Jaa... , ich weiß das schon, aber...... weiß das auch die Katze???

(Auch hier geht es um das "falsche Selbst", darum, daß sich jemand "mit den Augen eines anderen" sieht, sich "über andere definiert"!)

Termine
Kollegialer Austausch, Intervision, eigene Anliegen, jeden 2. Dienstag in der Praxis, 20.00-22.00, bitte tel. Voranmeldung!

Intensivkurs "Verschmelzungssyndrom und Autonomiestörung" für Aufsteller
22.-24.3.07 und 11.-13.10.07 in der Praxis,
Details und Anmeldung über meine Homepage.

Ausbildung "prozeßorientiertes Familienstellen"
6 Blöcke à 3 Tage, jeweils Donnerstag bis Samstag, Beginn 19.-21.07.07

Herzliche Grüße
Robert Langlotz




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