Inhalte dieses Newsletters:
Eine Woche Wandern auf dem Jakobsweg in den Cervennen: Wind, Wolken und Kälte, ein schwerer Rucksack, stundenlang durch unberührte Natur, das hilft, den inneren Raum wieder frei zu bekommen!
Die Eleganz des Igels
Dies Buch von Muriel Barbery, einer französischen Autorin, einer Philosophin, die jetzt in Japan lebt, hat mich sehr beschäftigt. Es ist sehr unterhaltsam, sehr klug und menschlich sehr berührend – in dieser Intensität hab ich das bisher selten gefunden.
Wir lernen Pauline kennen, ein 13-jähriges Mädchen aus „besseren Verhältnissen“. Hoch intelligent, erfrischend unangepasst, aber frustriert von der Verlogenheit ihrer Familie, verbirgt sie ihre Intelligenz – um nicht auf eine Eliteschule gehen zu müssen - und hat beschlossen, sich zum 14. Geburtstag umzubringen, indem sie die ganze Wohnung abfackelt. Und es geht um die Concierge des vornehmen Pariser Hauses, in dem sie beide leben. Sie ist durch eine schwere Kindheit verbittert und verbirgt ihrerseits ihre Klugheit, ihr Gefühl und ihr Interesse an Literatur und Kunst, um nicht „aus der Rolle zu fallen“. Durch den Einzug eines Japaners, eines gebildeten, klugen Mannes in dieses Haus kommt bei beiden Frauen viel in Bewegung, sie „entdecken“ sich gegenseitig. Die Concierge erlebt in der Begegnung mit dem Japaner zum ersten Mal, dass sie als die gesehen wird, die sie eigentlich ist, eine zarte Beziehung entspinnt sich. Die Frau zögert, so als dürfe sie das Glück der Liebe nicht erleben. Mit einem erstaunlichen systemischen Verständnis macht die Autorin das Verhalten der Concierge aus ihrer Biografie verständlich. Überraschend und bitter der Schluss: die Concierge stirbt an einem Unfall, so als sei das Lebensverbot der Familie stärker, so als sei es unmöglich, sich dieser destruktiven Dynamik zu entziehen.
Schade, dass ein so schönes und intelligentes Buch am Schluss seinen vielen Lesern eine so pessimistische und einfach falsche Botschaft vermittelt!
Immerhin kann sich Pauline, nach dieser schmerzlichen Erfahrung von ihrem Plan distanzieren.
Identifikation mit Verkehrsunfall
Kürzlich kam ein ca. 45-jähriger Mann zur Aufstellung, der seit einem schweren Unfall mit einjährigem Krankenhausaufenthalt vor 20 Jahren seine Leichtigkeit und Lebensfreude verloren hat. In einer „verdeckten Aufstellung“ zeigte sich: Er hatte dem Verursacher, einem gleichaltrigen jungen Mann, aus Mitleid zu schnell „verziehen“, das trennte ihn von dem Teil, der Wut und Ärger spüren darf. Und statt mit seinem Selbst war er buchstäblich identifiziert mit dem Unfall!! Es war merkwürdigerweise nicht leicht für ihn, da „auszusteigen“, Identifikation bedeutete in diesem Fall auch so etwas wie Kontrolle, Kampf, der nicht nachlassen darf.
Die Identifikation mit dem Täter ist ja eine bekannte Dynamik bei Gewalterfahrung. Dass es auch eine Identifikation mit dem Unfall gibt, war mir bisher unbekannt.
HPU
Auf meinen Hinweis im vorletzten Newsletter erhielt ich mehrere Zuschriften von Heilpraktikerinnen, die diese Störung bei sich selbst oder in ihrer Familie und bei erstaunlich vielen Klienten festgestellt und behandelt haben. Die Betroffenen haben meist einen langen Leidensweg hinter sich, weil die üblichen Methoden – einschliesslich Familienstellen – nicht wirken und sie am Schluss an sich selbst und an der Menschheit verzweifeln. Ich habe den Eindruck, dass die Betroffenen massive Abgrenzungsschwierigkeiten haben. Neben den bekannten systemischen Faktoren scheint dabei auch der ausgeprägte Energieverlust bei HPU eine wichtige ursächliche Rolle zu spielen!
Seminar in Magdeburg
Für das Seminar in Magdeburg 3./4. Juli 2010 gibt es noch Plätze für Hospitanten. Info und Anmeldung über Akademie für Lebensarchitektur.
Ich wünsche uns allen noch einen richtigen Sommer!
Euer
Robert Langlotz