systemische selbstintegration MÜNCHEN
Newsletter Februar 2010 / II
10.02.2010
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:

 

Das Seminar in Paris war sehr schön und tief, die Teilnehmer, erfahrene Kollegen, konnten das Neue meiner Arbeit wahrnehmen und schätzen. Es ist immer wieder erstaunlich – oder auch nicht – was für heftige Themen man bei Therapeuten findet!


Integration des „inneren Kindes“
In Form des „kindlichen Selbst“ beziehe ich jetzt regelmässig diesen Selbst-Aspekt mit ein. Dabei bin ich auf gewisse Gesetzmässigkeiten gestossen, die ich gerne mitteilen möchte.

Eine besonders ausgeprägte „Abspaltung“ dieses Anteils finde ich bei Menschen, die sehr leistungsorientiert sind, die sich „über Leistung definieren“. Sie sind bekanntermassen als „workoholics“ besonders vom burnout bedroht. Die Integration des „kindlichen Selbst“, des Selbstanteils, der neugierig, verspielt ist, der gerne Spass hat, scheint geradezu ein „Schutzfaktor“ gegen burnout zu sein! Dieser Teil merkt genau, wenn ihm die Arbeit zuviel ist, wenn er keinen Bock mehr hat, wenn er was anderes machen möchte.

In Beziehungen macht sich die Abspaltung des kindlichen Selbst auf zweierlei Weise bemerkbar:

Entweder sucht sich der Betreffende einen Partner aus, der für ihn das „innere Kind“ vertritt, den er bemuttern und versorgen kann. Vorteil: er selbst ist immer in der starken Position, muss sein „kindliches Selbst“ gar nicht wahrnehmen. Nachteil: der andere ist auf die Position des Schwachen fixiert.

Zweite Version: Der Betreffende, der sein eigenes „inneres Kind“ nicht integriert hat, erwartet vom Partner, dass der sein inneres Kind „adoptiert“, dass er – möglichst ohne Hinweis, sich um dieses innere Kind sorgt, die unausgesprochenen Bedürfnisse erahnt und erfüllt.

Beide Versionen führen zu Abhängigkeit und Koabhängigkeit: „ich brauche dich“ oder „ich brauche es, dass du mich brauchst“.

Die Integration beider Selbstanteile gibt ein Gefühl von Vollständigkeit. Man braucht den Partner nicht, um sich vollständig zu fühlen. Das ermöglicht eine partnerschaftliche Beziehung, die Veränderung und Wachstum erlaubt und das Gefühl von Freiheit in der Bindung ermöglicht.

Autonomie
Von vielen Lesern habe ich Zustimmung bekommen zu meinem Schritt, mich mehr von der Gesellschaft für Systemaufstellungen zu distanzieren. Danke! Ja, es ist ein Zuwachs an Autonomie. Ich spüre eine gute Kraft!

Zwilling
In die Einzelberatung kam eine Frau, die über extreme Flugangst und zusätzlich über schreckliche Schluckhemmung berichtete. Sie hatte schon viele Beratungen in Anspruch genommen. Als Kind hatte sie bereits die Mutter mit der Frage genervt: wo ist meine Zwillingschwester? Und darauf die scherzhaft gemeinte Antwort erhalten: „zwei von der Sorte hätte ich nicht ertragen.“ In zwei Psychokinesiologischen Sitzungen war das Zwillingsthema „abgelöst“ worden.(?!)

Ich überprüfte das, indem ich sie einen Stuhl für ihre Zwillingsschwester aufstellen liess. Sie stellte den Stuhl schräg vor sich, in einem Meter Entfernung. Ihr unbeschwertes Selbst stellte sie hinter den Paravent, aber es durfte „mit einem Auge“ zu ihr schauen. Als ich eine Schal – als Symbol der Grenze – zwischen sie und den Zwilling legte, bekam sie Herzschmerzen und wurde sehr traurig.

So wurde offensichtlich, dass sie sich nicht als getrennt von ihrem Zwilling erleben konnte, dass sie noch auf „dem Boot des verstorbenen Zwillings“ stand und ihren Platz auf dieser Erde gar nicht richtig einnehmen konnte.

Durch einige Lösungssätze und Abgrenzungsrituale konnte sie den sehr schmerzhaften Abgrenzungsprozess vollziehen und sich mit ihrem Selbst verbinden.

Ich empfahl ihr ein Aufstellungsseminar.

Bei verlorenem Zwilling ist fast immer auch die Beziehung zur Mutter gestört. Bisweilen kann die Klientin – in „Loyalität“ mit dem Zwilling – die Mutter nicht „nehmen“. In einzelnen Fällen habe ich erlebt, dass die Mutter so mit dem verlorenen Zwilling verbunden ist – den sie bewusst gar nicht erlebt hat! - dass sie sich dem lebenden Zwilling nicht so zuwenden konnte!

Supervision
Die nächste Supervision findet 14./15. Mai 2010 statt. Gelegenheit für schwierige Fälle, für eigene Anliegen, für Austausch eigener neuer Erfahrungen, für „Update“.

Termine
Das Therapieseminar 11.-14.3.2010 wird gestrichen, dafür findet eine Woche später, vom 18.-21.3.2010 ein Seminar statt.

Ich wünsche Euch eine gute Zeit,

und hoffentlich bald mehr vom Frühling!

Robert Langlotz




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