systemische selbstintegration MÜNCHEN
Newsletter Januar 2010 / II
18.01.2010
Liebe Freunde!
Liebe KollegInnen!


Inhalte dieses Newsletters:


Liebe Freunde, liebe Kolleginnen!
Das erste Seminar im neuen Jahr war ungewöhnlich tief, ich fühle mich sehr berührt, glücklich und beschenkt. Zwei sehr belastete Klienten konnten durch ungewöhnlich heftige Prozesse aus ihrer Verwirrung heraus und mehr zu sich selbst kommen.Sehr deutlich wurde der Zusammenhang zwischen Fremd- und Selbstzerstörung und verhinderter Autonomie. Die Funktion der Abgrenzung als Voraussetzung für Identität und Selbstwertgefühl kann gar nicht überschätzt werden!

Beziehung ohne Symbiose?
Neue Einsichten entstehen unmittelbar in der Arbeit, immer wieder aber auch dann, wenn ich sozusagen einige Schritte zurückgehe und versuche, einen Überblick zu bekommen, zum Beispiel wenn ich einen Artikel oder jetzt an meinem Buch schreibe.

In den letzten Wochen wurde mir klar, dass auch eine reife, partnerschaftliche Beziehung ohne symbiotische Elemente gar nicht möglich ist. Die Empathie, das Einfühlen in den Anderen, die Resonanz, das Mitschwingen sind wesentlich, um Nähe und Wärme in einer Beziehung herzustellen.

Das kam bisher zu kurz, vielleicht weil ich „aus didaktischen Gründen“ den Unterschied zwischen symbiotischer und reifer Beziehung möglichst kontrastreich darstellen wollte.

Insbesonders besteht in Kindheit und Jugend eine starke Tendenz des Kindes, mit einem Elternteil – oder anderer Bezugsperson – identifikatorisch zu verschmelzen. Das kann als Vorbereitung auf die eigene Erwachsenenrolle verstanden werden. Das Bedürfnis nach Autonomie, nach Freiheit und Selbstbestimmung sorgt dafür, dass es immer wieder zu Abgrenzung gegenüber der Bezugsperson verbunden mit einer Annäherung an das eigene „Selbst“ kommt. Dieser Prozess ermöglicht in der Pubertät eine (relative!) Ablösung, die notwendig ist, auch wenn sie für alle Beteiligten bisweilen schmerzhaft ist.

Diese Tendenz zur Identifikation gilt oft auch für den jeweiligen Elternteil, sie ist also meist gegenseitig.

Das erklärt auch, warum Trennung oder Tod eines eines Elternteils in dieser sensiblen Phase das Kind - so schmerzhaft sind. Da es ein eigenes stabiles, von den Eltern abgegrenztes Selbst noch gar nicht entwickeln konnte, bleibt es meist noch symbiotisch-unabgegrenzt mit diesem Elternteil verbunden. Es kann auch später nur schwer eine Grenze aufbauen.

Für Eltern, obwohl sie ein stabileres Selbst haben, ist der Verluste eines Kindes ebenfalls sehr schmerzlich, kann das eigene seelische Gleichgewicht, ja das eigene Überleben bedrohen.

Nicht selten wird diese „gesunde“ Symbiose jedoch überlagert durch eine „destruktive“ Symbiose in dem Sinne, das Eltern ihrem Kind einen unangemessenen Platz einräumen, eine unangemessene Bedeutung geben, so als können oder müsse es ihnen einen verstorbenen Angehörigen ersetzen, als müsse es ihrem Leben den Sinn geben, als könne es ihnen ihr eigenes „Selbst“ ersetzen.

In diesen Fällen ist Abschied und wieder zu sich selbst kommen sehr erschwert, bisweilen unmöglich.

Trennung und Tod des einen führen dann häufig dazu, dass der andere „Symbiose-Partner“ in den Tod folgt – nach Monaten oder Jahren.

In jüngster Zeit wurden zwei prominente Beispiele für diese Dynamik in der Presse ausführlich dargestellt.

Beethoven auf südamerikanisch
Venezuela investiert einen Teil seiner Öl-Einnahmen in die musikalische Ausbildung: alle Schulkinder haben die Möglichkeit, ein Musikinstrument zu erlernen! Aus diesem immensen Pool an Begabungen ist ein Jugendorchester entstanden, dass in Bonn eine legendäre Aufführung gab. Bei der deutschen Grammophon gibt es eine Aufnahme mit dem Dirigenten Gustavo Dudamel und dem Simón Bolívar Jugendorchester, u.a. mit der dritten Symphonie Beethoven's, der „Eroica“. Eindrucksvoll das Tempo, die Rhythmik, die Präzision, die Lebendigkeit dieser Musiker!

Und der Dirigent macht die Dramatik der Musik Beethoven's lebendig – und wird mit seiner Löwenmähne dabei selber zu einer Reinkarnation Beethovens.

Karl V. gönnt sich etwas Gutes
Kürzlich begegnete ich folgendem Satz des bayerischen Philosophen Karl Valentin:

Heute gönne ich mir etwas Gutes.

Heute besuche ich mich selbst!

Durch diesen Satz erweist sich Karl Valentin als intimer Kenner des Symbiosethemas!

Übersetzer/in für Paris
Die Übersetzerin für den Pariser Workshop 29.-31.1.2010 und auch die „Ersatzfrau“ haben abgesagt. Vielleicht ist unter den Leser/innen des Newsletters jemand in der Lage, einzuspringen?

Termine
Aufstellungsseminare Paris und Magdeburg
PARIS: 29.-31.1.2010, Anmeldung über: Samai Fossat,
sfossat (at) orange.fr
www.lienspsy.com
LiensPsy
Institut Européen des Nouvelles Solutions en Psychologie
Supéry, F - 09420 RIMONT
05 61 96 38 77

MAGDEBURG: 3./4.Juli 2010, Anmeldung über Beate Hieber
Akademie für LebensArchitektur
Gellertstraße 13
39108 Magdeburg
T: 0391 505 82 52
Mail: beate (at) lebensarchitektur.biz
www.lebensarchitektur.biz

Supervision
Die nächste Supervision findet 14./15.Mai 2010 statt. Gelegenheit für schwierige Fälle, für eigene Anliegen, für Austausch eigener neuer Erfahrungen, für „Update“.

Ich grüße euch alle!

Robert Langlotz

 
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