Newsletter Januar 2007
23.11.2007
Liebe Freunde!
L
iebe Kolleginnen und Kollegen!

Inhalte dieses Newsletters:
  • "Prozeßorientierte" Systemaufstellungen in der Diskussion
  • Spiritualität und Individuation
  • Therapeutenliste "prozeßorientierte" Systemaufstellungen
  • Witze
  • Termine


Ich wünsche Euch allen ein gutes Jahr 2007! Und ich danke für viele freundliche Grüße und Wünsche!
Das Jahr 2006 hat für mich vieles in Bewegung gebracht, dafür bin  ich sehr dankbar.
Mir gefällt es, beim Verfassen eines Newsletters innezuhalten und meine Überlegungen und Einsichten mit Euch zu teilen. Über Eure Rückmeldungen - auch kritische - freue ich mich, manches davon erscheint jetzt - Euer Einverständnis voraussetzend - unter "Forum" oder "Feedback" auf der Homepage.
Wir leben in einer aufregenden Zeit. Krisenhafte Entwicklungen werden deutlich, die immer auch eine Chance für eine Neuorientierung sein können. Erschreckend für mich ist das Fehlen von eigenständigem kritischen Wahrnehmen und Denken, von Zivilcourage! Die verbreitete Anpassungstendenz an die herrschende Meinung, an sogenannte "Sachzwänge" hat Arno Gruen bereits vor 20 Jahren in seinem Buch "Der Wahnsinn der Normalität, Realismus als Krankheit" hellsichtig beschrieben.
Das Verschmelzungskonzept, das diese Zusammenhänge zwischen fehlender autonomer Wahrnehmung und Anpassungstendenzen deutlich machen kann, zieht seine Kreise, auf meine Veröffentlichungen in "Praxis der Systemaufstellung" gibt es erste Reaktionen.


"Prozeßorientiertes" Familienstellen in der Diskussion

Die wohlwollend-kritische Stellungnahme des Ehepaars Scherrmann - Verfasser des sehr lesenswerten Buches "Das Brave-Tochter-Syndrom" - hat mich zu einer Neuformulierung meines Konzeptes angeregt. Dabei setze ich mich auch mit einigen Vorstellungen und Begriffen Hellingers auseinander.
Seine Vorstellung von "Phänomenologie statt Konzept" übersieht meines Erachtens das dialektischen, sich gegenseitig ergänzende Verhältnis von phänomenologischer (empirischer) Wahrnehmung und theoretischem Konzept.
Darüber hinaus erscheinen mir die von ihm eingeführten Begriffe "Bindungsliebe", "Familienseele", "Sippengewissen" problematisch. Sind sie nicht Ausdruck einer Tendenz,  eine häufig bestehende "kollektive Symbiose" des Familien-Systems zu einer schicksalhaften Instanz umzudeuten - und damit zu verfestigen -, anstatt sie in Frage zu stellen und Auswege aus der Symbiose aufzuzeigen?
Beide Aspekte sowie seine offensichtliche Abwertung anderer Therapieverfahren haben mit dazu beigetragen, das Familienstellen in eine Ghettosituation zu bringen. Mehr dazu demnächst auf der Homepage.


Spiritualität und Individuation

Menschen mit schwerem Schicksal, die z.B. seelisch oder körperlich Gewalt und Übergriffe erfahren haben, fühlen sich von Spiritualität angezogen, suchen und finden Klarheit und die Erfahrung von Sinn und Liebe. Hier gibt es allerdings nach meiner Erfahrung ein folgenschweres Mißverständnis: Spiritualität kann den schmerzhaften Prozeß der Versöhnung mit und Ablösung von den Eltern, kann Selbstwerdung, Ich-Findung, Individuation  nicht ersetzen. Manche, die noch in der Unabgegrenztheit ihrer ("präpersonalen") Symbiosemuster leben, sind versucht, dies bereits als ("transpersonales") Ungetrenntsein mißzuverstehen! Abgespaltene Aggression, das Fehlen von Wut kann dann auch als "bedingungslose Liebe" umgedeutet werden!
Ist dies Mißverständnis nicht typisch für den Esoterikbereich?
Nach meiner Erfahrung sind die meisten dieser Weg-Suchenden noch gar nicht bei sich selbst angekommen. Für sie scheint der erste Schritt auf ihrem spirituellen Weg nicht Überwindung eines Ichs, Erweiterung des Bewußtseins zu sein, sondern der aufregende Prozeß, zu sich selbst, zur eigenen Autonomie, zur eigenen Authentizität zu kommen
Wie will man ein Ich überwinden, das man noch gar nicht hat? ("Spiritualität und Individuation", Homepage)
Prozeßorientierte Systemaufstellungen sind geeignet, diesen Prozeß zu unterstützen.


Therapeutenliste "Prozeßorientiertes Familienstellen"

Da ich immer wieder von Klienten außerhalb Bayerns nach Adressen von Aufstellern gefragt werde, die das Verschmelzungskonzept mit einbeziehen, bereite ich eine Adressen-Liste vor. Wer die Voraussetzungen:

  • Ausbildung bei mir oder bei einem qualifizierten Ausbilder,

  • (Falls die Ausbildung bei einem anderen Ausbilder erfolgte - oder bei mir vor mehr als 2 Jahren - ) zwei Weiterbildungsworkshops "prozeßorientiertes" Systemaufstellen für erfahrene Therapeuten

  • regelmäßige Super- oder Intervision

erfüllt und Interesse hat, auf diese Liste zu kommen, möge mir schreiben. Vernetzung bündelt die Kräfte und gibt ihnen mehr Gewicht.


Witze

"Irre" und ihre Therapeuten sind oft Gegenstand hintersinniger Witze. Lachen, auch einmal über sich selbst, ist heilsam. Deshalb möchte ich meinen Newsletter in Zukunft mit diesem Gewürz versehen und bitte Euch um Zusendung geeigneter Witze!

Und hier der erste Witz:

Zwei Psychotherapeuten treffen sich auf dem Lindauer Kongreß. Sagt der eine: "daß es dir gut geht, sehe ich. Aber bitte, wie geht es mir?"


Termine

Therapieseminare
für 2007 auf der Homepage.

Weiterbildungsseminare "Prozeßorientierte Systemaufstellung ("Crashkurse") für erfahrene Therapeuten: 22.-24.03.07 und 11.-13.10.07 in der Praxis.

Ausbildungskurs 2007/8 beginnt mit dem ersten Block 19.-21.7.07.

Der 6. Internationaler Kongreß für Systemaufstellungen findet vom 25.-28.05.07 in Köln statt, mein Beitrag wird sein: "Ordnungen des Hasses?!"

Kollegialen Austausch immer am 2. Dienstag von 20.00-22.00. Bitte vorher Anmelden!


Ich grüße Euch alle herzlich!

Ernst Robert Langlotz




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