systemische selbstintegration MÜNCHEN
Newsletter Februar 2006
07.02.2006

Liebe Freunde!

In diesem Newsletter findet Ihr insbesondere:

Ich freue mich sehr darauf, das neue Symbiose-Konzept im März mit Irina Prekop und den Festhaltetherapeuten und im Mai mit Prof. Klinkhardt und den Psychokinesiologen diskutieren zu können.

Termine:

Der Demonstrationsworkshop "Prozessorientiertes Familienstellen und psychiatrische Erkrankungen" am 21.01.2006 war sehr gut besucht, der Dialog und die Rückmeldungen für mich sehr bereichernd.

Der kollegiale Austausch, jeden zweiten Dienstag um 19.30 Uhr, hat inzwischen dreimal stattgefunden, nächste Termine 14. Februar und 14. März 2006.

Ein neuer Weiterbildungskurs beginnt im Juni 2006.

"Spezialkurse für Aufsteller", welche die neuen Konzepte von Verschmelzung und vom Verständnis destruktiven Verhaltens im Setting des Familienstellen in ihre Arbeit integrieren wollen, findet am 13. - 15. März 2006 und 13. - 15. November 2006, nähere Infos wie immer auf meiner Homepage.

Ein neuer Text Destruktion und Autonomie-Entwicklung erscheint demnächst auf meiner Homepage. Er beschreibt den Zusammenhang von Autonomie-Entwicklung, Symbiose, destruktivem Verhalten und Lösungsmöglichkeiten durch das prozessorientierte Familienstellen.
Außerdem findet ihr einen neuen Text LEBEN.

Ich bin glücklich und dankbar, nach den Turbulenzen des letzten Jahres wieder Tritt gefasst zu haben und wünsche Euch allen für 2006 Gesundheit, Erfolg und Glück!

Euer

Ernst Robert Langlotz


PS.: Leserbrief an die SZ:

"Die beleidigten Götter"
Heribert Prantl, SZ Nr. 29/ S.13 vom 4./5. Februar 2006


Unter dieser bereits respektlosen Überschrift verteidigt Prantl angesichts islamistischer Gewaltreaktionen auf die dänischen Mohammed-Karikaturen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, im Namen der Aufklärung. Über einen eventuell berechtigten Schutz religiöser Gefühle durch den Gotteslästerungsparagraf mokiert er sich mit der Bemerkung, ob es nicht die größere Gotteslästerung sei, Gott durch Paragrafen schützen zu wollen.

Erosion der Werte, Identitätsverslust, Orientierungslosigkeit

Der Artikel von Heribert Prantl zeigt, in seiner zynischen Intelligenz, in welches Dilemma uns die Verfechter einer nicht hinterfragten grenzenlosen Aufklärung gebracht haben.
Aus einer berechtigten Empörung über die deutschen Greueltaten des 2. Weltkrieges wurde unter der Flagge der Aufklärung über Jahrzehnte hinweg vieles, was Wert und Orientierung bedeutet hatte, in Frage gestellt und diffamiert: erfolgreiche Väter, kindererziehende Mütter, Unternehmer, Philosophen, bedeutende Persönlichkeiten wie z.B. Albert Schweitzer, aber auch christliche und nichtchristliche Religionen. Mit der hierdurch bedingten Erosion der Werte ging jedoch ein zunehmender Identitätsverlust und damit ein Verlust der Orientierung einher.
Als Psychiater und Familientherapeut (65) beobachte ich eine Zunahme von Bindungsunfähigkeit, Depressionen, Verwirrungen bei meinen Klienten, bereits bei Kindern und Jugendlichen. Die zunehmende Kinderlosigkeit, aber auch das ungebremste Kaputtsanieren blühender Firmen zum Zweck einer Gewinnmaximierung machen eines deutlich: wo ein Werteverlust eingetreten ist, bleibt nur noch die Orientierung an materiellen Werten, am Shareholder-Value übrig. Er ist der kleinste gemeinsame Nenner, für die anonymen Fondsmanager und die von ihnen abhängigen Industrie- und Bank-Manager.
Die Zeit, als es noch so etwas wie eine persönliche gegenseitige BEZIEHUNG zwischen dem Unternehmer ("das Kapital"), dem Betrieb, den Mitarbeitern, den Produkten gab, erscheint heute, da solche Beziehungen den Gewinn gefährden können, als geradezu idyllisch.
Hilf- und wehrlos lassen wir zu, dass Beschäftige zu  Tausenden in die Arbeitslosigkeit und so mit ihrer ganzen Familie in die Armut geschickt werden, dass die Restlichen durch Unsicherheit und Existenzangst zu Gehaltseinbußen gezwungen werden, dass das soziale Klima in den Betrieben vergiftet wird und das soziale Netz bis zum Zerreißen belastet wird, der privaten Kaufkraft, dem privaten Engagement für Kunst, Sport, soziale Aufgaben, Freizeitgestaltung und Kultur die finanziellen Ressourcen ausgehen, nur damit die anonymen globalen Kapitaleigner maximale Gewinne einfahren. Da wir selbst, als potentielle Fondsaktionäre, davon privat profitieren, ergibt sich die paradoxe Situation, dass wir selbst als Privatpersonen von unserem gesellschaftlichen Zusammenbruch profitieren, als betrogene Komplizen. Das ist der "Wahnsinn unserer Normalität" (Arno Gruen), eine unmittelbare Folge unserer eigenen Orientierungslosigkeit, unserer Verwirrung.
Man kann geradezu Sympathie für die "rückständigen" und "nicht aufgeklärten" islamischen Kulturen bekommen, die sich verzweifelt mit untauglichen Mitteln des Terrors gegen diese militante importierte Erosion ihrer eigenen fundamentalen Werte zu wehren versuchen. Aber sind wir überhaupt in der Lage, ihnen eine andere Strategie zu empfehlen, da wir selbst das verwirrte und hilflose OPFER unserer eigenen Aufklärungs-Strategie und eines ungebremsten Kapital-Egoismus geworden sind, der durch Anonymisierung und Globalisierung scheinbar nicht mehr zu steuern ist?
Sind wir selbst nicht intellektuell und moralisch daran gescheitert, eine wirksame Barriere - ob nun juristisch oder auf andere Weise - gegen unsere eigene Selbstzerstörung zu errichten?
Sollten wir nicht unsere reduzierten finanziellen Ressourcen dafür einsetzen, eine Strategie gegen die Erosion fundamentaler Werte, gegen unsere Selbstzerstörung zu entwickeln - eventuell zusammen mit "Fundamentalisten" anderer Richtungen!? - anstatt den Teufelskreis der Selbstzerstörung durch einen Antiterrorismuskrieg à la Bush zu beschleunigen?
Wäre das nicht wohlverstandene Aufklärung?


Dr. med. Ernst R. Langlotz, Psychiater, Systemtherapeut, München




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